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Donnerstag, 19. Juni 2008
EM Tag 12
shiwa, 15:29h
Jetzt ist es raus! Löw teilt das Schicksal von so manchem aufgrund seiner Fußballleidenschaft geschiedenen Fan: er darf nicht mehr auf seine Hausbank. Und er teilt das Schicksal so mancher Fußballfanfrau: er muss während des Spiels die Klappe halten. In der Urteilsbegründung des UEFA-Hinrichtungskomitees heißt es, dass „der fehlbare Trainer schrie“. Also erstens: Unser Jogi ist unfehlbar. Und zweitens: das war kein Schreien, sondern Schwäbisch. Welche Nationalität hatte denn der unwichtigste Schiri auf dem Platz? Engländer?
Ist das eigentlich der gleiche Typ, der immer bei Auswechslungen das Schild hochhält oder die Nachspielzeit anzeigt? Der gleiche Typ, der während des Spiels sich eigentlich Pommes und ein Bier holen könnte, weil er eh nichts zu tun hat? Was ist das für ein Struunz? Was erlaube? Aber egal. Schiri ist Schiri. Tribüne ist, wenn der Schiri pfeift.
Jetzt muss ein Vizetrainer ran, der auf den Namen „Hansi Flick“ hört. Na toll. Das klingt ja schon nach „Harry, fahr mal den Wagen vor“. Würde der Ballaufpumper und Trainingsleibchenverteiler „Wolf Held“ oder „Läsker Bär“ heißen, hätte ich ja gesagt, „hey, da kann einer heute ein ganz Großer werden“. Aber glaubt irgendjemand, dass sich Ballack oder Lehmann von einem Typen was sagen lassen, der wie ein Kanarienvogel heißt und normalerweise die Nutella-Gläser abräumt? Das wird heute abend sehr wunderbar. Für die Portugiesen. "Wir hätten über die Außen kommen müssen" wird Netzer später sagen, weil er das immer sagt. Aber wenigstens haben wir jetzt eine Ausrede: Löw saß ja nicht auf der Bank!
Letztes Spiel in Krabbelgruppe D, Mütterchen Russland gegen „die Wikinger“. Der Bär macht den Elchtest.
Schweden war nie ein Land mit überbordendem Nationalstolz. Das rächt sich heute. Den Russen hat irgendjemand erzählt, dass heute Europameisterschaft ist und sie spielen plötzlich Fußball, als ginge es um den UEFA-Cup, die zahnlosen Wikinger, formally known as „Geheimtipp“, verhalten sich so hölzern wie der einzige nennenswerte Industriebetrieb ihres Landes („schläfst Du noch oder spielst Du schon?), sehen den Russen interessiert zu und lediglich der alte Schwede Zlatan Ibrahomivic versucht, dagegenzuhalten. Aber während Zlatan I. von Ödländ mutterseelenallein vor dem russischen Strafraum den Schwedensputnik macht, spielt die Musik in seinem Rücken und in der 24sten sind die russischen Bemühungen von einem glorreichen 1:0 gekrönt. Spasiba Schweden.
Danach folgen noch einige turbulente Strafraumszenen, natürlich in der schwedischen Hälfte, und dann gehen die Russen in die wohlverdiente, die Schweden in die langersehnte Pause.
Gleiches Bild in der zweiten Hälfte: die achso gefürchteten Wikingern sehen nasebohrend den Russen bei ihrem Spiel zu, das immer mehr den Charakter einer russischen Trainingseinheit annimmt. Folgerichtig steht das schwedische Tor unter russischem Dauerbombardement. Und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis der schwedische Torhüter in der 50sten Minute ein zweites Mal hinter sich greifen darf.
Wer aber nun glaubt, die Schweden würden diese Niederlage kampflos hinnehmen, der hat recht. Bis auf Ibrahimovic Schwedenson rüttelt auch das zweite Gegentor die Nordlanders nicht aus ihrem lethargischen Winterschlaf. Es ist einfach noch zu kalt im Stadion. Nur dem schwedischen Torwart wird es gelegentlich warm, weil abwechselnd jetzt Russen und Schweden gemeinsam auf sein Tor ballern. Als das Spielchen nach 92 Minuten endlich abgepfiffen wird, gehen die Russen in die nächste Runde und die Schweden ins Bett. Der EM-Planer erhält ein 2:0 für Russland und gut ist´s.
Im zweiten Spiel des Abends schießen die Griechen versehentlich ein Tor, werden von den entspannt spielenden Spaniern trotzdem mit 2:1 gedemütigt, aber ein Tor ist besser als kein Tor und deshalb darf sich Rehagel, seiner Ansicht nach zu Recht, um weitere vier Jahre als Antiquator für die harmlosen und bedauernswerten Griechen bewerben. Denn was vor 40 Jahren richtig war, kann heute nicht falsch sein und die Regierungszeit Ottis wird mutmaßlich länger als die von Helmut Kohl sein, weil kein anderer Trainer leidensfähig genug sein wird, die Fußballhinterwäldler von Hellas zu „trainieren“. Wir malen ein 2:1 in den EM-Planer und sehen den Quarterfinals entgegen.
In England ist man sich sicher, dass man die Türken im Viertelfinale besiegen würde, wenn, ja wenn man für die EM qualifiziert gewesen wäre. Schade jetzt.
Ist das eigentlich der gleiche Typ, der immer bei Auswechslungen das Schild hochhält oder die Nachspielzeit anzeigt? Der gleiche Typ, der während des Spiels sich eigentlich Pommes und ein Bier holen könnte, weil er eh nichts zu tun hat? Was ist das für ein Struunz? Was erlaube? Aber egal. Schiri ist Schiri. Tribüne ist, wenn der Schiri pfeift.
Jetzt muss ein Vizetrainer ran, der auf den Namen „Hansi Flick“ hört. Na toll. Das klingt ja schon nach „Harry, fahr mal den Wagen vor“. Würde der Ballaufpumper und Trainingsleibchenverteiler „Wolf Held“ oder „Läsker Bär“ heißen, hätte ich ja gesagt, „hey, da kann einer heute ein ganz Großer werden“. Aber glaubt irgendjemand, dass sich Ballack oder Lehmann von einem Typen was sagen lassen, der wie ein Kanarienvogel heißt und normalerweise die Nutella-Gläser abräumt? Das wird heute abend sehr wunderbar. Für die Portugiesen. "Wir hätten über die Außen kommen müssen" wird Netzer später sagen, weil er das immer sagt. Aber wenigstens haben wir jetzt eine Ausrede: Löw saß ja nicht auf der Bank!
Letztes Spiel in Krabbelgruppe D, Mütterchen Russland gegen „die Wikinger“. Der Bär macht den Elchtest.
Schweden war nie ein Land mit überbordendem Nationalstolz. Das rächt sich heute. Den Russen hat irgendjemand erzählt, dass heute Europameisterschaft ist und sie spielen plötzlich Fußball, als ginge es um den UEFA-Cup, die zahnlosen Wikinger, formally known as „Geheimtipp“, verhalten sich so hölzern wie der einzige nennenswerte Industriebetrieb ihres Landes („schläfst Du noch oder spielst Du schon?), sehen den Russen interessiert zu und lediglich der alte Schwede Zlatan Ibrahomivic versucht, dagegenzuhalten. Aber während Zlatan I. von Ödländ mutterseelenallein vor dem russischen Strafraum den Schwedensputnik macht, spielt die Musik in seinem Rücken und in der 24sten sind die russischen Bemühungen von einem glorreichen 1:0 gekrönt. Spasiba Schweden.
Danach folgen noch einige turbulente Strafraumszenen, natürlich in der schwedischen Hälfte, und dann gehen die Russen in die wohlverdiente, die Schweden in die langersehnte Pause.
Gleiches Bild in der zweiten Hälfte: die achso gefürchteten Wikingern sehen nasebohrend den Russen bei ihrem Spiel zu, das immer mehr den Charakter einer russischen Trainingseinheit annimmt. Folgerichtig steht das schwedische Tor unter russischem Dauerbombardement. Und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis der schwedische Torhüter in der 50sten Minute ein zweites Mal hinter sich greifen darf.
Wer aber nun glaubt, die Schweden würden diese Niederlage kampflos hinnehmen, der hat recht. Bis auf Ibrahimovic Schwedenson rüttelt auch das zweite Gegentor die Nordlanders nicht aus ihrem lethargischen Winterschlaf. Es ist einfach noch zu kalt im Stadion. Nur dem schwedischen Torwart wird es gelegentlich warm, weil abwechselnd jetzt Russen und Schweden gemeinsam auf sein Tor ballern. Als das Spielchen nach 92 Minuten endlich abgepfiffen wird, gehen die Russen in die nächste Runde und die Schweden ins Bett. Der EM-Planer erhält ein 2:0 für Russland und gut ist´s.
Im zweiten Spiel des Abends schießen die Griechen versehentlich ein Tor, werden von den entspannt spielenden Spaniern trotzdem mit 2:1 gedemütigt, aber ein Tor ist besser als kein Tor und deshalb darf sich Rehagel, seiner Ansicht nach zu Recht, um weitere vier Jahre als Antiquator für die harmlosen und bedauernswerten Griechen bewerben. Denn was vor 40 Jahren richtig war, kann heute nicht falsch sein und die Regierungszeit Ottis wird mutmaßlich länger als die von Helmut Kohl sein, weil kein anderer Trainer leidensfähig genug sein wird, die Fußballhinterwäldler von Hellas zu „trainieren“. Wir malen ein 2:1 in den EM-Planer und sehen den Quarterfinals entgegen.
In England ist man sich sicher, dass man die Türken im Viertelfinale besiegen würde, wenn, ja wenn man für die EM qualifiziert gewesen wäre. Schade jetzt.
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Donnerstag, 19. Juni 2008
EM Tag 11
shiwa, 01:05h
Der Bundesjogi hat etwas sehr Böses getan. Er hat mit einem Schiedsrichter diskutiert, und auch, wenn es nur so ein Deppenschiri war, der auf die Bank aufpassen soll, Schiedsrichter sind für 90 Minuten mächtiger als Gott. Und sogar mächtiger als Franz Beckenbauer. Und außerdem sind Österreicher wie auch Schweizer sowieso empfindlich im Bezug auf ihr Bankgeheimnis. Und deswegen hat der Bundesjogi jetzt Angst, dass er gegen Portugal wieder auf die Tribüne zur Kanzlerin muss. Ich meine: gut so. Dann kann er den mutmaßlichen Grottenkick, den unsere Blutjungs gegen die Portugiesen abliefern werden, wenigstens von oben sehen und echtes „Fanfeeling“ entwickeln. Und Nüsschen knabbern, wie gegen Österreich.
Die Nation ist sich aber in einem Punkt einig: Löws Konzept ist grundsätzlich richtig. Und wäre er Trainer einer körperlich, vor allem aber geistig fitten Mannschaft – dann wäre er der Trainer der Niederlande und würde mit dieser Europameister werden. So hat es leider nur für die deutschen Fußballhelden gereicht, deren Selbstbewusstsein und Auftreten eben stark abhängig vom Wetter, der Konjunktur, der Tageszeit und der morgendlichen Nutella-Ration sind.
Natürlich gab es dann neben diesen Nicklichkeiten das Hammerspiel Frankreich gegen Italien. Unberechtigter Weltmeister gegen unberechtigten Vizeweltmeister. Not gegen Elend. Beide Mannschaften sind mutmaßlich fest entschlossen, zu gewinnen und der Welt zu zeigen, dass das WM-Finale beider Mannschaften seinerzeit gerechtfertigt war.
Tatsächlich geht es auch im Vergleich zu den sonstigen Spielen der beiden Schlafhauben recht rasant los, bereits in der dritten Minute haben die Franzosen zwei Eckbälle bekommen, was bedeutet, dass sie nicht in der Lage waren, das Tor zu treffen.
Nach 8 Minuten schon hat es Ribery satt, dass er es alleine mit 11 Italienern aufnehmen muss und bricht sich aus Protest unter Zuhilfenahme der Knochen eines Gegenspielers das Bein und geht nach Hause.
In der Folge herrscht für italienisch-französische Verhältnisse schon fast so etwas wie ein munteres Spiel. Die Franzosen schleppen sich vor den italienischen Strafraum, geben dann an die Italos ab, die gehen (nicht rennen!) wie der Teufel in den französischen Strafraum und geben dann wieder an die Franzosen ab. ´s geht ja um nichts, zumal im Parallelspiel die beste rumänische Mannschaft aller Zeiten gegen eine Auswahl der niederländischen U15 spielt und beide eh nach Hause fahren, wenn die glorreichen Rumänen die Partie heimfahren.
In der 24sten Minute klappt es dann endlich mal wieder. Ein Italiener stürzt spektakulär im französischen Strafraum („Abidal habbe miche gesubbst, habbe nixe gemacht, jetzt habbe slimme Smerze wege die Asseloch, musse gebbe Elfemetro“) und bekommt seinen üblichen Strafstoß. 1:0 für bella fallera Italia.
Die Italiener haben bis nach der ersten Pause das erste Mal seit dem römisch-gallischen Krieg das tapfere Häuflein alter französischer Garde ganz gut im Griff, denn die Franzosen spielen jetzt in Unterzahl, was man aber nicht merkt, denn die bleiben ihrer eisernen Linie treu und treffen schon fast absichtlich nicht aufs Tor. Zumindest nicht auf das italienische.
Dafür aber auf das eigene. In der 62sten hält, während im Parallelspiel die ruhmvolle rumänische Europameistergeheimtippaspiranten gegen eine Auswahl niederländischer Hilfsministranten sang- und klanglos untergeht, ausgerechnet das französische Pendant zu dem, was man in der Fachsprache einen „Stürmer“ nennt, seinen Fuß in einen klassisch am Tor vorbeigezielten Freistoß von Rossi und die Italiener führen 2:0.
Hurra.
Und jetzt geschieht etwas Erstaunliches und Einmaliges in der europäischen Geschichte: Die Franzosen kapitulieren bedingungslos vor den Italienern. Laufen müde, geschlagen und gedemütigt über den Platz, lassen den Italienern noch ein paar Chancen, die diese mangels Elfmeter natürlich nicht verwerten können und dann ist Schlusspfiff und die Italiener sind, oh Wunder, oh Wunder, weiter und dürfen sich jetzt gegen Spanien im Viertelfinale fallen lassen.
Ich ergänze meinen EM-Planer um die beiden Ergebnisse des heutigen Kampftages und schnappe mir eine „Sun“.
In England findet man Meldungen über die EM nämlich mittlerweile hinter den Todesanzeigen und der Werbung von Damen, die angerufen werden möchten.
Die Nation ist sich aber in einem Punkt einig: Löws Konzept ist grundsätzlich richtig. Und wäre er Trainer einer körperlich, vor allem aber geistig fitten Mannschaft – dann wäre er der Trainer der Niederlande und würde mit dieser Europameister werden. So hat es leider nur für die deutschen Fußballhelden gereicht, deren Selbstbewusstsein und Auftreten eben stark abhängig vom Wetter, der Konjunktur, der Tageszeit und der morgendlichen Nutella-Ration sind.
Natürlich gab es dann neben diesen Nicklichkeiten das Hammerspiel Frankreich gegen Italien. Unberechtigter Weltmeister gegen unberechtigten Vizeweltmeister. Not gegen Elend. Beide Mannschaften sind mutmaßlich fest entschlossen, zu gewinnen und der Welt zu zeigen, dass das WM-Finale beider Mannschaften seinerzeit gerechtfertigt war.
Tatsächlich geht es auch im Vergleich zu den sonstigen Spielen der beiden Schlafhauben recht rasant los, bereits in der dritten Minute haben die Franzosen zwei Eckbälle bekommen, was bedeutet, dass sie nicht in der Lage waren, das Tor zu treffen.
Nach 8 Minuten schon hat es Ribery satt, dass er es alleine mit 11 Italienern aufnehmen muss und bricht sich aus Protest unter Zuhilfenahme der Knochen eines Gegenspielers das Bein und geht nach Hause.
In der Folge herrscht für italienisch-französische Verhältnisse schon fast so etwas wie ein munteres Spiel. Die Franzosen schleppen sich vor den italienischen Strafraum, geben dann an die Italos ab, die gehen (nicht rennen!) wie der Teufel in den französischen Strafraum und geben dann wieder an die Franzosen ab. ´s geht ja um nichts, zumal im Parallelspiel die beste rumänische Mannschaft aller Zeiten gegen eine Auswahl der niederländischen U15 spielt und beide eh nach Hause fahren, wenn die glorreichen Rumänen die Partie heimfahren.
In der 24sten Minute klappt es dann endlich mal wieder. Ein Italiener stürzt spektakulär im französischen Strafraum („Abidal habbe miche gesubbst, habbe nixe gemacht, jetzt habbe slimme Smerze wege die Asseloch, musse gebbe Elfemetro“) und bekommt seinen üblichen Strafstoß. 1:0 für bella fallera Italia.
Die Italiener haben bis nach der ersten Pause das erste Mal seit dem römisch-gallischen Krieg das tapfere Häuflein alter französischer Garde ganz gut im Griff, denn die Franzosen spielen jetzt in Unterzahl, was man aber nicht merkt, denn die bleiben ihrer eisernen Linie treu und treffen schon fast absichtlich nicht aufs Tor. Zumindest nicht auf das italienische.
Dafür aber auf das eigene. In der 62sten hält, während im Parallelspiel die ruhmvolle rumänische Europameistergeheimtippaspiranten gegen eine Auswahl niederländischer Hilfsministranten sang- und klanglos untergeht, ausgerechnet das französische Pendant zu dem, was man in der Fachsprache einen „Stürmer“ nennt, seinen Fuß in einen klassisch am Tor vorbeigezielten Freistoß von Rossi und die Italiener führen 2:0.
Hurra.
Und jetzt geschieht etwas Erstaunliches und Einmaliges in der europäischen Geschichte: Die Franzosen kapitulieren bedingungslos vor den Italienern. Laufen müde, geschlagen und gedemütigt über den Platz, lassen den Italienern noch ein paar Chancen, die diese mangels Elfmeter natürlich nicht verwerten können und dann ist Schlusspfiff und die Italiener sind, oh Wunder, oh Wunder, weiter und dürfen sich jetzt gegen Spanien im Viertelfinale fallen lassen.
Ich ergänze meinen EM-Planer um die beiden Ergebnisse des heutigen Kampftages und schnappe mir eine „Sun“.
In England findet man Meldungen über die EM nämlich mittlerweile hinter den Todesanzeigen und der Werbung von Damen, die angerufen werden möchten.
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Dienstag, 17. Juni 2008
EM Tag 10
shiwa, 15:20h
Gestern war ja der Tag der Tage. B-Day. Ballack-Tag. Der Bundesjogi hat die Mannschaft glashart vorbereitet. Absolutes Nutellaverbot. Cricket und Synchronturmspringen als Vorbereitungstraining. Russisches Roulette zur Entspannung. Antiaggressionstraining mit Claudia Roth. Rhetoriktraining mit Dieter Nuhr. Unschuldig-gucken-Training mit Gregor Gysi. 1000-Meter-Schwimmen während eines islamischen Frauenbadetages. Autogrammstunde bei den Spielern der deutschen Handballmannschaft. Jogi hat kein noch so abstraktes Training, kein noch so widersinniges Motivationsseminar ausgelassen, um unsere Jungs fit für das gestrige Schlagerspiel gegen das mangels echter Erzrivalen zum Ersatzrivalen hochstilisierte Österreich zu machen.
Er selbst hat sich einen japanischen Zen-Meister extra aus Düsseldorf einfliegen lassen, der ihn in die Geheimnisse des Seppuku einweihen sollte und, ganz in deutscher Tradition, irgendwelche ominöse Tabletten am hoteleigenen Schäferhund ausprobiert. Nur für alle Fälle…
Die Österreicher hingegen werden auf Aggression trainiert und müssen Beleidigungen wie „Bankdrücker“ und „Kunstmalerverbieger“ und „Spieler von Mainz05“ auswendig lernen. Ganz klar, welcher Kurs im Top-Spiel des Jahrtausends gefahren werden soll! Provokation und eiskaltes, blitzschnelles Zuschlagen. Ausgerechnet bei Österreichern.
Und dann ist es so weit.
Pünktlich um 20.45 kommt die deutsche Nationalmannschaft, those, who are fully trained on the point, ernst und gefasst aus den Wiener Katakomben wie weiland Natasch… lassen wir die Klischees. Bei der Deutschlandhymne singt interessanterweise das komplette Stadion mit, gelernt ist eben gelernt und niemand kann aus seiner Haut.
Die Österreicher treten mit einem Torwart, zehn Feldspielern und einem Schiedsrichter an, die Deutschen haben Mario Gomez im Sturm und Christoph Metzelder in der Abwehr und damit zwei Feldspieler weniger als die nötigen zehn, aber niemandem fällt das anfangs auf.
Und tatsächlich bringt Gomez, der anscheinend von den beiden gleich aussehenden Toren irritiert ist und nicht weiß, vor welchem Kasten er im Moment steht (und der sich wohl wundert, was Klose heute in der Verteidigung macht) das Kunststück fertig, mittig vor dem Tor aus einem Meter Entfernung daneben zu schießen. Auch so etwas will gelernt sein. Was macht Gomez nochmal beruflich?
Die Österreicher sind über diese schon fast unverschämt verächtliche Stümperei derart sauer, dass sie beschließen, ihren germanischen Stammesbrüdern mal kräftig in die Weichteile zu treten, worauf der spanische Schiedsrichter seinen Blindenausweis zückt und die gelbe Pappe den Österreichern zeigt. Die interpretieren diesen subtilen Hinweis auch vollkommen richtig und deswegen knallt ein Österreicher Podolski mal ganz kurz eine, damit der endlich aufwacht. Zu Recht, zu Recht. Der Schiedsrichter lächelt und lässt weiterspielen. Bis zur Halbzeit herrscht auf den Trainerbänken mehr Action als auf dem Spielfeld, weil sich Jogi und Hickersberger sehr gerne über das Verhalten in der Coaching-Zone austauschen möchten, was dazu führt, dass sich beide wie unartige Jungs zu ihren jeweiligen Regierungschefs setzen und brav sein müssen. „Scheischsche“, wie der Bundesjogi später zu dem kichernden Schweinsteiger auf der Tribüne sagen wird, was deren beiderseitiges Verhältnis in Zukunft etwas belasten dürfte.
In der Halbtscheit, pardon, Halbzeit, erklärt Yogi vom Tribünendach seinen Schützlingen, dass der auf das öde Gekicke, das er als „mir werra bisch zur Leischtungschgrensche un darüber hinausch gehe“-Cheftrompeter angekündigt hat, „keine Luscht“ mehr hat und jetscht auf ein Bier mit der Bundeschkantschlerin geht.
In der 49sten Minute endlich legt Ivanschitz, das alte Schlitzohr, Klose um, was aber bis auf den Schiedsrichter niemand bemerkt, und es gibt einen Freistoss für unsere Jungs. Ballack, tritt an und haut den Ball „mit 130 Sachen“, wie die Chronisten später feinsinnig nachmessen werden, weil sie ja sonst auch nichts zu tun haben während dieses ach so wichtigen Grottenkicks, in das Tor der entsetzten Österreicher, die ja eigentlich um diese Zeit ihren 2:0 Rückstand schon aufgeholt haben wollten, sofern Gomez es geschafft hätte, wenigstens ein einziges Mal einen Ball unter Kontrolle gebracht zu haben. Tricky, die runden Dinger mit den lustigen Farben.
Auf jeden Fall steht es 1:0 für Schland und die restliche halbe Stunde füllt sich zu mindestens der gefühlten Hälfte mit dem Bild des backenaufblasenden Ballacks in Zeitlupe, wie er den Ball „mit 130 Sachen“ in Richtung Ösi-Tor donnert, weil: auf dem Feld isses langweilig. Und Michael erinnert mich dabei an so Kinderzeichnungen vom Wind, wie der die Wolken wegbläst oder Drachen antreibt. Irgendwie gruselig, dieser Ballack.
Die Österreicher sehen das auch so und spielen danach endlich fair, weil sie Ballack nicht noch einmal einen Freistoß schießen sehen wollen. Auf der deutschen Trainerbank hat man in der 60sten Minute endlich ein Einsehen und holt den auf dem Platz hilf- und orientierungslos herumirrenden „Gometsch“ endlich vom Feld, der darauf ein freudiges Wiedersehen mit der Ersatzbank feiert.
Bis zum Ende der Partie mühen sich die Österreicher redlich und der engagierte Podolski macht dem Fehljoker Neuville Platz, dessen Ballkontakte während der letzten beiden Turniere auf eine Briefmarke passen.
Alle Beteiligten, nicht zuletzt alle Zuschauer, sind froh, als in der 93sten Minute endlich abgepfiffen wird, die Deutschen sind in der nächsten Runde, die Österreicher gehen traditionsgemäß enttäuscht in den Keller und aus dieser EM.
Und so, wie sie im Moment spielt, wird ihr die deutsche Mannschaft am Donnerstag auf diesem Wege folgen. Motivation hin, Yogi-Bär her! Der EM-Planer erhält ein lustloses 1:0 und ab dafür.
Das zweite Spiel des Abends, Polen gegen Kroatien, ging 1:0 für die Kroaten aus, aber das hat hier sowieso keinen interessiert. Ich hab nicht einmal das Ergebnis in den EM-Planer eingetragen. Wozu auch?
Aus England verlautet übrigens, dass an Marco Gomez großes Interesse besteht. Sie suchen bei Chelsea jemand, der den Stadionrasen mäht.
Er selbst hat sich einen japanischen Zen-Meister extra aus Düsseldorf einfliegen lassen, der ihn in die Geheimnisse des Seppuku einweihen sollte und, ganz in deutscher Tradition, irgendwelche ominöse Tabletten am hoteleigenen Schäferhund ausprobiert. Nur für alle Fälle…
Die Österreicher hingegen werden auf Aggression trainiert und müssen Beleidigungen wie „Bankdrücker“ und „Kunstmalerverbieger“ und „Spieler von Mainz05“ auswendig lernen. Ganz klar, welcher Kurs im Top-Spiel des Jahrtausends gefahren werden soll! Provokation und eiskaltes, blitzschnelles Zuschlagen. Ausgerechnet bei Österreichern.
Und dann ist es so weit.
Pünktlich um 20.45 kommt die deutsche Nationalmannschaft, those, who are fully trained on the point, ernst und gefasst aus den Wiener Katakomben wie weiland Natasch… lassen wir die Klischees. Bei der Deutschlandhymne singt interessanterweise das komplette Stadion mit, gelernt ist eben gelernt und niemand kann aus seiner Haut.
Die Österreicher treten mit einem Torwart, zehn Feldspielern und einem Schiedsrichter an, die Deutschen haben Mario Gomez im Sturm und Christoph Metzelder in der Abwehr und damit zwei Feldspieler weniger als die nötigen zehn, aber niemandem fällt das anfangs auf.
Und tatsächlich bringt Gomez, der anscheinend von den beiden gleich aussehenden Toren irritiert ist und nicht weiß, vor welchem Kasten er im Moment steht (und der sich wohl wundert, was Klose heute in der Verteidigung macht) das Kunststück fertig, mittig vor dem Tor aus einem Meter Entfernung daneben zu schießen. Auch so etwas will gelernt sein. Was macht Gomez nochmal beruflich?
Die Österreicher sind über diese schon fast unverschämt verächtliche Stümperei derart sauer, dass sie beschließen, ihren germanischen Stammesbrüdern mal kräftig in die Weichteile zu treten, worauf der spanische Schiedsrichter seinen Blindenausweis zückt und die gelbe Pappe den Österreichern zeigt. Die interpretieren diesen subtilen Hinweis auch vollkommen richtig und deswegen knallt ein Österreicher Podolski mal ganz kurz eine, damit der endlich aufwacht. Zu Recht, zu Recht. Der Schiedsrichter lächelt und lässt weiterspielen. Bis zur Halbzeit herrscht auf den Trainerbänken mehr Action als auf dem Spielfeld, weil sich Jogi und Hickersberger sehr gerne über das Verhalten in der Coaching-Zone austauschen möchten, was dazu führt, dass sich beide wie unartige Jungs zu ihren jeweiligen Regierungschefs setzen und brav sein müssen. „Scheischsche“, wie der Bundesjogi später zu dem kichernden Schweinsteiger auf der Tribüne sagen wird, was deren beiderseitiges Verhältnis in Zukunft etwas belasten dürfte.
In der Halbtscheit, pardon, Halbzeit, erklärt Yogi vom Tribünendach seinen Schützlingen, dass der auf das öde Gekicke, das er als „mir werra bisch zur Leischtungschgrensche un darüber hinausch gehe“-Cheftrompeter angekündigt hat, „keine Luscht“ mehr hat und jetscht auf ein Bier mit der Bundeschkantschlerin geht.
In der 49sten Minute endlich legt Ivanschitz, das alte Schlitzohr, Klose um, was aber bis auf den Schiedsrichter niemand bemerkt, und es gibt einen Freistoss für unsere Jungs. Ballack, tritt an und haut den Ball „mit 130 Sachen“, wie die Chronisten später feinsinnig nachmessen werden, weil sie ja sonst auch nichts zu tun haben während dieses ach so wichtigen Grottenkicks, in das Tor der entsetzten Österreicher, die ja eigentlich um diese Zeit ihren 2:0 Rückstand schon aufgeholt haben wollten, sofern Gomez es geschafft hätte, wenigstens ein einziges Mal einen Ball unter Kontrolle gebracht zu haben. Tricky, die runden Dinger mit den lustigen Farben.
Auf jeden Fall steht es 1:0 für Schland und die restliche halbe Stunde füllt sich zu mindestens der gefühlten Hälfte mit dem Bild des backenaufblasenden Ballacks in Zeitlupe, wie er den Ball „mit 130 Sachen“ in Richtung Ösi-Tor donnert, weil: auf dem Feld isses langweilig. Und Michael erinnert mich dabei an so Kinderzeichnungen vom Wind, wie der die Wolken wegbläst oder Drachen antreibt. Irgendwie gruselig, dieser Ballack.
Die Österreicher sehen das auch so und spielen danach endlich fair, weil sie Ballack nicht noch einmal einen Freistoß schießen sehen wollen. Auf der deutschen Trainerbank hat man in der 60sten Minute endlich ein Einsehen und holt den auf dem Platz hilf- und orientierungslos herumirrenden „Gometsch“ endlich vom Feld, der darauf ein freudiges Wiedersehen mit der Ersatzbank feiert.
Bis zum Ende der Partie mühen sich die Österreicher redlich und der engagierte Podolski macht dem Fehljoker Neuville Platz, dessen Ballkontakte während der letzten beiden Turniere auf eine Briefmarke passen.
Alle Beteiligten, nicht zuletzt alle Zuschauer, sind froh, als in der 93sten Minute endlich abgepfiffen wird, die Deutschen sind in der nächsten Runde, die Österreicher gehen traditionsgemäß enttäuscht in den Keller und aus dieser EM.
Und so, wie sie im Moment spielt, wird ihr die deutsche Mannschaft am Donnerstag auf diesem Wege folgen. Motivation hin, Yogi-Bär her! Der EM-Planer erhält ein lustloses 1:0 und ab dafür.
Das zweite Spiel des Abends, Polen gegen Kroatien, ging 1:0 für die Kroaten aus, aber das hat hier sowieso keinen interessiert. Ich hab nicht einmal das Ergebnis in den EM-Planer eingetragen. Wozu auch?
Aus England verlautet übrigens, dass an Marco Gomez großes Interesse besteht. Sie suchen bei Chelsea jemand, der den Stadionrasen mäht.
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