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Donnerstag, 26. Juni 2008
EM Tag 20
shiwa, 22:59h
In Ascona laufen heiße Debatten, welche Taktik heute gespielt werden soll: defensiv oder feige? Unterwürfig oder gnädig? Freundlich oder
schuldbewusst? Im Andenken an die Opfer von Faschismus und Gewaltherrschaft oder integrativ? Oder alles zusammen? Sicherheitshalber
verpasst Löw seinen Mannen noch ein Anti-Agressionstraining. Man weiß ja nie!
Die türkische „the best“ Mannschaft hingegen zeigt sich hier weniger nachdenklich: das Motto für heute Abend ist das Gleiche wie immer. Sieg
um jeden Preis, koste es, was es wolle. Eure Nation schaut auf Euch, und Ihr, oh Helden des strahlenden osmanischen Reiches, habt es in
der Hand, ob sie auf Euch „herab“ oder „hinauf“ schaut. Ihr, oh Fußballer des Bosporus, seid die auserwählte Elite und der Glanz und Stolz des
türkischen Volkes, Ihr seid die Söhne und Töchter von uns allen und ihr werdet die Fackel unseres Kampfgeistes gegen die deutschen Panzer
heute werfen und das Unmögliche möglich machen: Ihr werdet im Angesicht Wiens heute für die Türkei siegen und unsere Überlegenheit ein-
für allemal beweisen. Wenn Ihr scheiße spielt, dann könnt Ihr Euch gleich nach Deutschland absetzen und Euch beim FC Hoffenheim
bewerben. Dann folgen pathetische und patriotische Ansprachen.
Derart motiviert geht es dann ins Stadion. Deutschland I gegen Deutschland III. Sauerkrauts gegen Döners. Mitbürger ohne türkischen
Migrationshintergrund gegen Gegenbürger mit ohne deutschen Emigrationshintergrund. Bitte sagen Sie um Himmels Willen nicht „Türkei“ oder
„Türken“, sprechen Sie von „bei uns lebenden Ausländern“ oder „ausländischen Mitbürgern“.
Und damit auch wirklich dem Letzten klar wird, dass es nur um ein Fußballspiel geht, das selbstverständlich nichts mit Politik zu tun hat,
dürfen Ballack und ein ausländischer Mitbürger der dritten deutschen Mannschaft vor dem Spiel ein politisch sehr korrektes Statement gegen
Rassismus vorlesen. Das ist ja bei Spielen der deutschen Mannschaft eigentlich immer nötig, aber heute spielen ja sogar zwei deutsche
Mannschaften gegeneinander. Mir persönlich fehlen dabei aber noch ein Bekenntnis zum Holocaust und eine Entschuldigung für sämtliche
Kriege seit der Erfindung des Rades. Verdammte Schlamperei. Wenigstens traue ich mich jetzt nicht mehr, die Nationalhymne mitzusingen
und rolle beschämt mein Deutschlandfähnchen ein, während die Welt draußen in Halbmondfahnen und „Türkye Türkye“-Gebrüll versinkt.
Dann ist Anpfiff für die jetzt sehr nachdenklichen deutschen Spieler und Anstoß für die beste Mannschaft der Welt (nach England).
Deutschland I beginnt etwas zerknirscht, sehr vorsichtig, man will ja heute integrativen Fußball spielen, bloß nicht Deutschland III provozieren
oder durch ein frühes Tor gar beleidigen, man kennt das ja, die werden dann ekelig, und in der 22. Minute beschließt man bei Deutschland I
den ausländischen Mitbürgern ohne Migrationshintergrund mal das Ehrentor zu gönnen, Ugur macht das 1:0.
Schweinsteiger, dem Ballack vergessen hat, zu erklären, dass Fußball ein Mannschaftssport ist, hält sich nicht an integrative Absprachen und
macht nur 4 Minuten später den Ausgleich. Mist. Das wird für enttäuschte Gesichter auf der Fanmeile in Berlin sorgen, ausländische Mitbürger
mit Migrationshintergrund packen ihre Kracher und Granaten vorerst wieder ein. Schweinsteiger entschuldigt sich nicht einmal für sein Tor!
Dafür nimmt man bei Deutschland I jetzt endgültig Abstand von Zweikämpfen, weil die sehr respektlos sind und die Gefühle der hier lebenden
Mitbürger verletzen könnten, die bedanken sich mit einem Foul an Lahm im Mitbürgerstrafraum, das allerdings nicht gepfiffen wird, weil auch
dies ehrverletzend wäre.
Kurze Zeit später greift der Schweizer Schiri dann doch nicht ohne Bedauern zu einer gelben Karte gegen einen Mitbürger, weil jener mal voller
mediterraner Lebensfreude ganz kurz antestet, ob Frings bezüglich seiner gebrochenen Rippe ein Schmerzempfinden hat.
In der Folgezeit legt die deutsche Mannschaft noch den letzten Zahn weg und spielt weiterhin auf Integration. Trotzdem können auch Sie den
Mitbürger Rüstü nicht daran hindern, aus dem Tor und schon mal prophylaktisch auf die Ehrenrunde zu gehen, was zu einem versehentlichen
Kopfballtor von Klose führt, der sich darauf harscher Kritik von seinen Mitintegratoren ausgesetzt sieht.
Die nun folgenden Szenen werden gnädig für die Augen der Welt ausgeblendet, damit alle mal wieder runterkommen können und so bekommt
Basel einen Hauch von Bern 1954, als Bela-Rethy plötzlich wie ein Radiomoderator das Spiel, oder was davon übrig ist, beschreibt.
Als die Lichter wieder angehen, beschließt Lahm gerade, seinen Fehler, fehlerlos gespielt zu haben, wieder gut zu machen und gibt Semih,
dem Rippentester, freundlich die Gelegenheit, mit Hilfe von Lehmann zum 2:2 einzulochen. Türkye, Türkye. Es riecht nach Verlängerung
beziehungsweise dem üblichen mitbürgerlichen „last minute“-Tor, in ganz Deutschland springen schon mal unzählige Dreier-BMW Motoren an,
denn Türkei gewinne immer und Türkei is the best und scheiß auf den Eisberg, Türkei is unsinkbar, gib mal Feuerzeug für den China-Kracher,
noch einmal jubeln und Deutschland III hat die Nieten, die Flaschen, den fußballerischen Abschaum, die bolzende Freakshow von Deutschland
I besiegt und ihre Mutter gefickt.
Und Tor! Nur leider für die falsche Trikotfarbe. Während in Villa Antalya schon gefeiert wurde, wird in Villa Basel noch gearbeitet, denn Lahm hat
sich, diesmal in voller Absicht, durch die mitbürgerlichen Spieler gefädelt und in fast allerletzter Minute das 3:2 gemacht.
Im Stadion wird es ruhig. Das war jetzt weder integrativ, noch nett, Lahm selbst ist es ja auch ein bisschen peinlich und er entschuldigt sich
sofort bei den mitbürgerlichen Mitspielern und Michael Ballack, dem Löw noch während des Spiels sagte: „Esch reischt, wenn Ihr gäge die
Türge nur oi Dor mehr im Elfmederschiesse machet, allesch andere würde die türgische Fäns in Deutschland nid verschtähe un demüdige
müsche mir sie ja nid, au wennsch mir könnde. Ruhe im Schpiel und dohoim isch erschte Bürgerpflischt.“
Und weil Entscheidungen im „Elfmeterschießen“ als „faktisch unentschieden“ gewertet werden, hätten die Türken dann als beste Mannschaft
der Welt (nach England) im Fußballfelde unbesiegt nach Hause fahren können. Lahm hat´s vermasselt, die Türken werden, wie einst, Wien nur
aus der Ferne sehen. Die türkischen Fahnen werden eingerollt, die Feuerzeuge ausgemacht, die Dreier-BMW bleiben heute Nacht ebenso
stehen wie 111 türkische Schafe, die bei einem türkischen Sieg von Staats wegen hätten geopfert werden sollen, der Taksim-Platz in Istanbul
leert sich schneller als ein Deutschkurs in einer türkischen Volkshochschule, denn mediterran feiern heute nur Leute mit einer schwarz-weißen
Trikotsicht. Entschuldigung.
Lächelnd trage ich das 3:2 in meinen EM-Planer ein. Wir sind Vize-Europameister. Scheiß aufs Endspiel. Nochmal Entschuldigung. Ätsch.
In England überlegt man, Nelson von seiner Säule zu holen und stattdessen Gary Linecker zukünftig über den Wembley- (früher:
Trafalgar-)Square gucken zu lassen.
schuldbewusst? Im Andenken an die Opfer von Faschismus und Gewaltherrschaft oder integrativ? Oder alles zusammen? Sicherheitshalber
verpasst Löw seinen Mannen noch ein Anti-Agressionstraining. Man weiß ja nie!
Die türkische „the best“ Mannschaft hingegen zeigt sich hier weniger nachdenklich: das Motto für heute Abend ist das Gleiche wie immer. Sieg
um jeden Preis, koste es, was es wolle. Eure Nation schaut auf Euch, und Ihr, oh Helden des strahlenden osmanischen Reiches, habt es in
der Hand, ob sie auf Euch „herab“ oder „hinauf“ schaut. Ihr, oh Fußballer des Bosporus, seid die auserwählte Elite und der Glanz und Stolz des
türkischen Volkes, Ihr seid die Söhne und Töchter von uns allen und ihr werdet die Fackel unseres Kampfgeistes gegen die deutschen Panzer
heute werfen und das Unmögliche möglich machen: Ihr werdet im Angesicht Wiens heute für die Türkei siegen und unsere Überlegenheit ein-
für allemal beweisen. Wenn Ihr scheiße spielt, dann könnt Ihr Euch gleich nach Deutschland absetzen und Euch beim FC Hoffenheim
bewerben. Dann folgen pathetische und patriotische Ansprachen.
Derart motiviert geht es dann ins Stadion. Deutschland I gegen Deutschland III. Sauerkrauts gegen Döners. Mitbürger ohne türkischen
Migrationshintergrund gegen Gegenbürger mit ohne deutschen Emigrationshintergrund. Bitte sagen Sie um Himmels Willen nicht „Türkei“ oder
„Türken“, sprechen Sie von „bei uns lebenden Ausländern“ oder „ausländischen Mitbürgern“.
Und damit auch wirklich dem Letzten klar wird, dass es nur um ein Fußballspiel geht, das selbstverständlich nichts mit Politik zu tun hat,
dürfen Ballack und ein ausländischer Mitbürger der dritten deutschen Mannschaft vor dem Spiel ein politisch sehr korrektes Statement gegen
Rassismus vorlesen. Das ist ja bei Spielen der deutschen Mannschaft eigentlich immer nötig, aber heute spielen ja sogar zwei deutsche
Mannschaften gegeneinander. Mir persönlich fehlen dabei aber noch ein Bekenntnis zum Holocaust und eine Entschuldigung für sämtliche
Kriege seit der Erfindung des Rades. Verdammte Schlamperei. Wenigstens traue ich mich jetzt nicht mehr, die Nationalhymne mitzusingen
und rolle beschämt mein Deutschlandfähnchen ein, während die Welt draußen in Halbmondfahnen und „Türkye Türkye“-Gebrüll versinkt.
Dann ist Anpfiff für die jetzt sehr nachdenklichen deutschen Spieler und Anstoß für die beste Mannschaft der Welt (nach England).
Deutschland I beginnt etwas zerknirscht, sehr vorsichtig, man will ja heute integrativen Fußball spielen, bloß nicht Deutschland III provozieren
oder durch ein frühes Tor gar beleidigen, man kennt das ja, die werden dann ekelig, und in der 22. Minute beschließt man bei Deutschland I
den ausländischen Mitbürgern ohne Migrationshintergrund mal das Ehrentor zu gönnen, Ugur macht das 1:0.
Schweinsteiger, dem Ballack vergessen hat, zu erklären, dass Fußball ein Mannschaftssport ist, hält sich nicht an integrative Absprachen und
macht nur 4 Minuten später den Ausgleich. Mist. Das wird für enttäuschte Gesichter auf der Fanmeile in Berlin sorgen, ausländische Mitbürger
mit Migrationshintergrund packen ihre Kracher und Granaten vorerst wieder ein. Schweinsteiger entschuldigt sich nicht einmal für sein Tor!
Dafür nimmt man bei Deutschland I jetzt endgültig Abstand von Zweikämpfen, weil die sehr respektlos sind und die Gefühle der hier lebenden
Mitbürger verletzen könnten, die bedanken sich mit einem Foul an Lahm im Mitbürgerstrafraum, das allerdings nicht gepfiffen wird, weil auch
dies ehrverletzend wäre.
Kurze Zeit später greift der Schweizer Schiri dann doch nicht ohne Bedauern zu einer gelben Karte gegen einen Mitbürger, weil jener mal voller
mediterraner Lebensfreude ganz kurz antestet, ob Frings bezüglich seiner gebrochenen Rippe ein Schmerzempfinden hat.
In der Folgezeit legt die deutsche Mannschaft noch den letzten Zahn weg und spielt weiterhin auf Integration. Trotzdem können auch Sie den
Mitbürger Rüstü nicht daran hindern, aus dem Tor und schon mal prophylaktisch auf die Ehrenrunde zu gehen, was zu einem versehentlichen
Kopfballtor von Klose führt, der sich darauf harscher Kritik von seinen Mitintegratoren ausgesetzt sieht.
Die nun folgenden Szenen werden gnädig für die Augen der Welt ausgeblendet, damit alle mal wieder runterkommen können und so bekommt
Basel einen Hauch von Bern 1954, als Bela-Rethy plötzlich wie ein Radiomoderator das Spiel, oder was davon übrig ist, beschreibt.
Als die Lichter wieder angehen, beschließt Lahm gerade, seinen Fehler, fehlerlos gespielt zu haben, wieder gut zu machen und gibt Semih,
dem Rippentester, freundlich die Gelegenheit, mit Hilfe von Lehmann zum 2:2 einzulochen. Türkye, Türkye. Es riecht nach Verlängerung
beziehungsweise dem üblichen mitbürgerlichen „last minute“-Tor, in ganz Deutschland springen schon mal unzählige Dreier-BMW Motoren an,
denn Türkei gewinne immer und Türkei is the best und scheiß auf den Eisberg, Türkei is unsinkbar, gib mal Feuerzeug für den China-Kracher,
noch einmal jubeln und Deutschland III hat die Nieten, die Flaschen, den fußballerischen Abschaum, die bolzende Freakshow von Deutschland
I besiegt und ihre Mutter gefickt.
Und Tor! Nur leider für die falsche Trikotfarbe. Während in Villa Antalya schon gefeiert wurde, wird in Villa Basel noch gearbeitet, denn Lahm hat
sich, diesmal in voller Absicht, durch die mitbürgerlichen Spieler gefädelt und in fast allerletzter Minute das 3:2 gemacht.
Im Stadion wird es ruhig. Das war jetzt weder integrativ, noch nett, Lahm selbst ist es ja auch ein bisschen peinlich und er entschuldigt sich
sofort bei den mitbürgerlichen Mitspielern und Michael Ballack, dem Löw noch während des Spiels sagte: „Esch reischt, wenn Ihr gäge die
Türge nur oi Dor mehr im Elfmederschiesse machet, allesch andere würde die türgische Fäns in Deutschland nid verschtähe un demüdige
müsche mir sie ja nid, au wennsch mir könnde. Ruhe im Schpiel und dohoim isch erschte Bürgerpflischt.“
Und weil Entscheidungen im „Elfmeterschießen“ als „faktisch unentschieden“ gewertet werden, hätten die Türken dann als beste Mannschaft
der Welt (nach England) im Fußballfelde unbesiegt nach Hause fahren können. Lahm hat´s vermasselt, die Türken werden, wie einst, Wien nur
aus der Ferne sehen. Die türkischen Fahnen werden eingerollt, die Feuerzeuge ausgemacht, die Dreier-BMW bleiben heute Nacht ebenso
stehen wie 111 türkische Schafe, die bei einem türkischen Sieg von Staats wegen hätten geopfert werden sollen, der Taksim-Platz in Istanbul
leert sich schneller als ein Deutschkurs in einer türkischen Volkshochschule, denn mediterran feiern heute nur Leute mit einer schwarz-weißen
Trikotsicht. Entschuldigung.
Lächelnd trage ich das 3:2 in meinen EM-Planer ein. Wir sind Vize-Europameister. Scheiß aufs Endspiel. Nochmal Entschuldigung. Ätsch.
In England überlegt man, Nelson von seiner Säule zu holen und stattdessen Gary Linecker zukünftig über den Wembley- (früher:
Trafalgar-)Square gucken zu lassen.
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Mittwoch, 25. Juni 2008
EM Tag 17
shiwa, 12:02h
Nach kurzer Festivalbedingter Zwangspause gehen die fußballerischen Betrachtungen hier und heute weiter. Ein Resumé und ein Zwischenbericht:
Die favorisierten Niederlande gegen die russischen Glücks- und Killerpilze.
Beide Mannschaften nehmen das Spiel doch ein gutes Stück ernster als die Türken und Kroaten und versuchen von Anfang an, ein Tor zu schießen oder auch zwei, wenn auch nicht ganz klar ist, wie das passieren soll.
Wäre Fußballspielen wie Eiskunstlauf und Pflicht und Kür würden von einer Jury bepunktet, dann hätten beide Mannschaften in der ersten Halbzeit sehr gute Haltungsnoten bekommen. Ansehnliche Ballstaffeten, spannende Zweikämpfe, hohes Spieltempo, chirurgenpräzise Pässe in den Strafraum, das war ganz großes Fußballtennis. Wache Niederländer gegen aufgewachte Russen. Die komplette erste Halbzeit wäre ein hervorragender Lehrfilm für perfektes Fußballspiel. Alleine: keiner der beiden Rennmausteams kann auch einlochen. Beide Torhüter haben ganz gut zu tun und auch das Material der Tore wird ein paar Male ernsten Stresstests unterzogen. Aber es fällt eben kein Tor und nur diese zählen ungerechterweise.
Nach der Pause geht die Rennerei, die gemeinhin als „moderner Fußball“ gilt, konsequent weiter und in der 56sten Minute ist es dann soweit: Ein Jungrusse, dessen Namen gerade noch so aufs Trikot passt, zielt neben das Tor und hat somit das Rezept gefunden, den Ball zu platzieren und es steht zu aller Überraschung 1:0 für die Russkis.
Sogar der Schiedsrichter ist von diesem Fight derart begeistert, dass er sich darauf einlässt, einen Russen nach einem Foul nicht vom Platz zu stellen, sondern seine Entscheidung zurücknimmt. Vielleicht waren bei dieser Entscheidung aber auch die Rufe aus der russischen Fankurve mit seinen Adressdaten ausschlaggebend.
Von den Russen lernen heißt bekanntlich siegen lernen und weil die Niederländer ja besonders lernfähig sind, nehmen sie sich ein Beispiel. Aber nicht an den Russen. Sondern an den Türken. Und warten bis zur 86sten Minute, um den Ausgleich zu machen.
Schockschwerenot! Die NordOrangen feiern, während sich die Russenfans leicht frustriert auf der Tribüne zu entkleiden beginnen. Es geht in die Verlängerung.
Und wieder wildes Gerenne, Torchancen en masse und wieder gehen die Russen in Führung. Aber diesmal zerniert der Treffer die Moral der bis zu diesem Zeitpunkt tapfer dagegenhaltenden Holländer. Erstens liegt man schon wieder hinten und zweitens wabern Wolken feiernder russischer Fanschweißdrüsen über den Rasen. Die Orangenen sind derart verstört, dass sich ein weiterer russischer Schülermannschaftsspieler zwischen die Hollandabwehr mogelt und mit einem 3:1 scheiden die Niederlande als favorisierteste Mannschaft ever aus dem Turnier aus, vorbei an den weinenden Russen, die weiter sind, ihr Hotel aber nur bis zum Viertelfinale gebucht hatten.
Immerhin: Manchester United wird seinen kompletten Kader rausschmeißen und hat sich bereit erklärt, die komplette russische Mannschaft zu kaufen.
Dann das letzte Viertelfinalspiel. Hohe italienische Schauspielschule gegen die Stierkämpfer aus Spanien, die beliebtesten Ferienländer der Deutschen treten zum Duell „System D“ gegen Offensivfußball an. Man darf einiges erwarten.
Die Italiener haben von 10-0-0 auf 9-1-0 umgestellt, spielen also heute mit einem defensiven Mittelfeldspieler, der Druck in Richtung Mittelkreis aufbauen soll. Die Spanier hingegen wollen Fußball spielen. Der deutsche Schiedsrichter, Schiedsrichter des Jahres, Gott in Schwarz, der Pfeifenmann Satans pfeift an!
Wenig überraschend legen es die Italiener ab der 2ten Minute auf „Ergebnis“ an und wollen ins Elfmeterschießen. Die Spanier rennen sich die Stierlunge aus dem Leib, in schöner Regelmäßigkeit von einem eher desinteressierten Italiener gestoppt, mühen sich redlich, aber ständig stehen ihnen die Ballschummler vom Stiefel im Weg herum.
Die Pfeife Satans „übersieht“ zwei klare Elfer für die Spanier, um die Italiener nicht im Tiefschlaf zu stören und so brandet die begeisterte spanische La-Ola-Welle ein- ums andere Mal an den italienischen Tischkickern ab.
Die italienische Taktik des fortschrittlichen Rasenschachs geht zuerst einmal auf: die Spieler bleiben entspannt und die Trikots bekommen keine ärgerlichen Schweißflecken.
Während die Spanier tapfer und wacker ihren Reconquista-Plänen nachgehen, feilen sich die Italiener die Fingernägel, gucken in der Gegend herum und machen lustige Gesten in Richtung spanische Fans. Bis zur 90sten Minute tut sich, wenn überhaupt, eigentlich nur im Strafraum der Italiener etwas und zwar dann, wenn die Spanier mal wieder ihre Bälle neben das Tor semmeln.
Gleiches Bild in der Nachspielzeit. Die erschöpften und klatschnassen Spanier mit unkontrollierter Offensive, die Stiefelkicker, ausgeruht und gutgelaunt. Sie wissen: sie kommen weiter. Schon wegen des rot-weiß-grünen Balken im Auge des teutonischen Pfeifenwichs, der heute mal in Stellvertretung des „vierten Mannes“ das Spiel macht.
Und dann geht die Schauspieltruppe vom Stiefel grinsend ins Elfmeterschießen. Das kennen sie, das haben sie geübt, das ist überhaupt ihre einzige Möglichkeit, einzulochen. Das kann gar nicht schiefgehen, weil Gott ein forza Italia Trikot trägt.
Aber in dieser EM klappt für die Italiener wirklich gar nichts und nicht einmal der deutsche Schiri und sein Blindenhund können verhindern, dass zwei der Standfußballer diesmal ihr obligatorisches Tor nicht schießen. Gott ist heute Abend in Urlaub auf Malle und trinkt sich zu. Die Italiener sind derart demoralisiert, dass sie nicht einmal protestieren, als das Spiel für sie verloren ist.
Unter lautem Jubel trage ich das 4:2 für Spanien in den EM-Planer“ ein und freue mir ein zweites Loch in den Boppes. Diesmal nicht, liebe Italiener, diesmal hat´s nicht geklappt!
In England platzt man vor Ärger – ausgerechnet Elfmeterschießen hatte man in der EM-Vorbereitung so geübt – und wäre jetzt weiter!
Gute Nachrichten aus Ascona: alle deutschen Spieler haben brav ihr Nutella aufgegessen und Torsten Frings wird aus Solidarität mit den verletzten Türken spielen, damit die Osmanen eine Chance haben. Löw hat auch schon angekündigt, wie unsere Jungs spielen werden: nämlich mit „högschter Konzendrazion und äuscherschter Aufmerkschamgeit“. Ich fände es allerdings besser, sie schießen ein paar Tore.
Ein Turnier scheint Charaktere zu formen: Podolski traut sich aus der Deckung und verkündet lauthals, er sei wieder wer und die Bayern könnten ihn bald am Geärsche lecken, er ginge dann eben wieder zurück nach Bremen, wenn er in der nächsten Saison aber sowas von, weil so eben nicht, jedenfalls nicht mit ihm.
In Stuttgart hingegen befürchtet man, dass Gomez sich nicht mit Abwanderungsgedanken trägt. Angeblich will Löw die Diskussion um Gomez Torflaute dadurch beenden, dass er ihn von Köpke auf Ersatztorwart umschulen lässt.
Im Mutterland des Fußballs, in Deutschland, bereitet sich inzwischen der Staat auf den kommenden Fußballabend vor: in Duisburg, Stuttgart, Hamburg und Frankfurt am Main wird es Krisenzentren mit Psychologen geben, die die traumatisierten Anhänger der Verlierermannschaft beraten werden, die Bundeswehr wird mobile Lazarette bereitstellen, in denen die Opfer der Siegesfeiern schnell und unkompliziert verarztet werden können, Tornados der Luftwaffe werden von oben ständig den Weg der Autocorsos überwachen und Berlin soll komplett geräumt werden.
Bei den Grünen hat sich ein Krisenstab eingefunden, der Integrationsvorschläge für den Fall erarbeiten soll, dass die Türken gewinnen: Deutsch soll dann zweite Amtssprache werden und bereits im Kindergarten sollen türkische Frühförderkurse angeboten werden. Ströbele hat für Weihnachten einen Feiertag vorgeschlagen, der unregelmäßig immer auf einen Sonntag fallen soll. Auch Lockerungen der Kopftuchpflicht in bestimmten Berufen, wie beispielsweise dem des „Modells für Produkte des Friseurhandwerks“ sind im Gespräch. Bastian Schweinsteiger wird sich allerdings wohl tatsächlich in „Hammelsteiger“ umbenennen müssen. Dafür soll aber Christian Ziege wieder in die Mannschaft kommen.
Angela Merkel hingegen wollte ursprünglich wieder zur Schweini-Show kommen, solange Schweini noch Schweini und nicht Hammi ist, aber nachdem Erdogan angekündigt hat, er werde mit seiner kompletten Familie die Schlacht ansehen, gab es leider keine Karten mehr für das Glücksschweinchen und EM-Maskottchen unserer Mannschaft.
Schließlich erlauben mit diese spielfreien Tage auch ein kurzes Fazit zu ziehen. Die Favoriten sind bisher alle gestorben – bis auf uns. Liegt wohl daran, dass wir seit geraumer Zeit nicht mehr zu den Favoriten zählen, was mir schon etwas zu denken gibt. Wir haben ja auch schon lange keinen „Großen“ mehr geschlagen, betonen dafür aber im Gegenzug ständig, dass es keine „Kleinen“ mehr gibt. Insofern haben wir den „Großen“ San Marino immerhin mit 13:0 weggeputzt – ein Ergebnis, das ich gegen die Türken für durchaus wünschenswert halte.
Wäre ich nicht gerade Deutsche, dann würde ich einer der anderen Mannschaft die EM gönnen – beispielsweise den Russkis, die so schön unbekümmert aufspielen. Oder den Türken, weil sie so eine 1a-Chaostruppe sind. Anarcho-Fußball in Reinkultur. Hau wech die Pille, Hassan. Andererseits wären wir auch mal wieder dran, zum Einen, um die europäischen Verhältnisse wieder geradezurücken, zum Anderen, weil es die Italiener ärgert.
Und schlussendlich, weil es die Engländer verletzt.
Die favorisierten Niederlande gegen die russischen Glücks- und Killerpilze.
Beide Mannschaften nehmen das Spiel doch ein gutes Stück ernster als die Türken und Kroaten und versuchen von Anfang an, ein Tor zu schießen oder auch zwei, wenn auch nicht ganz klar ist, wie das passieren soll.
Wäre Fußballspielen wie Eiskunstlauf und Pflicht und Kür würden von einer Jury bepunktet, dann hätten beide Mannschaften in der ersten Halbzeit sehr gute Haltungsnoten bekommen. Ansehnliche Ballstaffeten, spannende Zweikämpfe, hohes Spieltempo, chirurgenpräzise Pässe in den Strafraum, das war ganz großes Fußballtennis. Wache Niederländer gegen aufgewachte Russen. Die komplette erste Halbzeit wäre ein hervorragender Lehrfilm für perfektes Fußballspiel. Alleine: keiner der beiden Rennmausteams kann auch einlochen. Beide Torhüter haben ganz gut zu tun und auch das Material der Tore wird ein paar Male ernsten Stresstests unterzogen. Aber es fällt eben kein Tor und nur diese zählen ungerechterweise.
Nach der Pause geht die Rennerei, die gemeinhin als „moderner Fußball“ gilt, konsequent weiter und in der 56sten Minute ist es dann soweit: Ein Jungrusse, dessen Namen gerade noch so aufs Trikot passt, zielt neben das Tor und hat somit das Rezept gefunden, den Ball zu platzieren und es steht zu aller Überraschung 1:0 für die Russkis.
Sogar der Schiedsrichter ist von diesem Fight derart begeistert, dass er sich darauf einlässt, einen Russen nach einem Foul nicht vom Platz zu stellen, sondern seine Entscheidung zurücknimmt. Vielleicht waren bei dieser Entscheidung aber auch die Rufe aus der russischen Fankurve mit seinen Adressdaten ausschlaggebend.
Von den Russen lernen heißt bekanntlich siegen lernen und weil die Niederländer ja besonders lernfähig sind, nehmen sie sich ein Beispiel. Aber nicht an den Russen. Sondern an den Türken. Und warten bis zur 86sten Minute, um den Ausgleich zu machen.
Schockschwerenot! Die NordOrangen feiern, während sich die Russenfans leicht frustriert auf der Tribüne zu entkleiden beginnen. Es geht in die Verlängerung.
Und wieder wildes Gerenne, Torchancen en masse und wieder gehen die Russen in Führung. Aber diesmal zerniert der Treffer die Moral der bis zu diesem Zeitpunkt tapfer dagegenhaltenden Holländer. Erstens liegt man schon wieder hinten und zweitens wabern Wolken feiernder russischer Fanschweißdrüsen über den Rasen. Die Orangenen sind derart verstört, dass sich ein weiterer russischer Schülermannschaftsspieler zwischen die Hollandabwehr mogelt und mit einem 3:1 scheiden die Niederlande als favorisierteste Mannschaft ever aus dem Turnier aus, vorbei an den weinenden Russen, die weiter sind, ihr Hotel aber nur bis zum Viertelfinale gebucht hatten.
Immerhin: Manchester United wird seinen kompletten Kader rausschmeißen und hat sich bereit erklärt, die komplette russische Mannschaft zu kaufen.
Dann das letzte Viertelfinalspiel. Hohe italienische Schauspielschule gegen die Stierkämpfer aus Spanien, die beliebtesten Ferienländer der Deutschen treten zum Duell „System D“ gegen Offensivfußball an. Man darf einiges erwarten.
Die Italiener haben von 10-0-0 auf 9-1-0 umgestellt, spielen also heute mit einem defensiven Mittelfeldspieler, der Druck in Richtung Mittelkreis aufbauen soll. Die Spanier hingegen wollen Fußball spielen. Der deutsche Schiedsrichter, Schiedsrichter des Jahres, Gott in Schwarz, der Pfeifenmann Satans pfeift an!
Wenig überraschend legen es die Italiener ab der 2ten Minute auf „Ergebnis“ an und wollen ins Elfmeterschießen. Die Spanier rennen sich die Stierlunge aus dem Leib, in schöner Regelmäßigkeit von einem eher desinteressierten Italiener gestoppt, mühen sich redlich, aber ständig stehen ihnen die Ballschummler vom Stiefel im Weg herum.
Die Pfeife Satans „übersieht“ zwei klare Elfer für die Spanier, um die Italiener nicht im Tiefschlaf zu stören und so brandet die begeisterte spanische La-Ola-Welle ein- ums andere Mal an den italienischen Tischkickern ab.
Die italienische Taktik des fortschrittlichen Rasenschachs geht zuerst einmal auf: die Spieler bleiben entspannt und die Trikots bekommen keine ärgerlichen Schweißflecken.
Während die Spanier tapfer und wacker ihren Reconquista-Plänen nachgehen, feilen sich die Italiener die Fingernägel, gucken in der Gegend herum und machen lustige Gesten in Richtung spanische Fans. Bis zur 90sten Minute tut sich, wenn überhaupt, eigentlich nur im Strafraum der Italiener etwas und zwar dann, wenn die Spanier mal wieder ihre Bälle neben das Tor semmeln.
Gleiches Bild in der Nachspielzeit. Die erschöpften und klatschnassen Spanier mit unkontrollierter Offensive, die Stiefelkicker, ausgeruht und gutgelaunt. Sie wissen: sie kommen weiter. Schon wegen des rot-weiß-grünen Balken im Auge des teutonischen Pfeifenwichs, der heute mal in Stellvertretung des „vierten Mannes“ das Spiel macht.
Und dann geht die Schauspieltruppe vom Stiefel grinsend ins Elfmeterschießen. Das kennen sie, das haben sie geübt, das ist überhaupt ihre einzige Möglichkeit, einzulochen. Das kann gar nicht schiefgehen, weil Gott ein forza Italia Trikot trägt.
Aber in dieser EM klappt für die Italiener wirklich gar nichts und nicht einmal der deutsche Schiri und sein Blindenhund können verhindern, dass zwei der Standfußballer diesmal ihr obligatorisches Tor nicht schießen. Gott ist heute Abend in Urlaub auf Malle und trinkt sich zu. Die Italiener sind derart demoralisiert, dass sie nicht einmal protestieren, als das Spiel für sie verloren ist.
Unter lautem Jubel trage ich das 4:2 für Spanien in den EM-Planer“ ein und freue mir ein zweites Loch in den Boppes. Diesmal nicht, liebe Italiener, diesmal hat´s nicht geklappt!
In England platzt man vor Ärger – ausgerechnet Elfmeterschießen hatte man in der EM-Vorbereitung so geübt – und wäre jetzt weiter!
Gute Nachrichten aus Ascona: alle deutschen Spieler haben brav ihr Nutella aufgegessen und Torsten Frings wird aus Solidarität mit den verletzten Türken spielen, damit die Osmanen eine Chance haben. Löw hat auch schon angekündigt, wie unsere Jungs spielen werden: nämlich mit „högschter Konzendrazion und äuscherschter Aufmerkschamgeit“. Ich fände es allerdings besser, sie schießen ein paar Tore.
Ein Turnier scheint Charaktere zu formen: Podolski traut sich aus der Deckung und verkündet lauthals, er sei wieder wer und die Bayern könnten ihn bald am Geärsche lecken, er ginge dann eben wieder zurück nach Bremen, wenn er in der nächsten Saison aber sowas von, weil so eben nicht, jedenfalls nicht mit ihm.
In Stuttgart hingegen befürchtet man, dass Gomez sich nicht mit Abwanderungsgedanken trägt. Angeblich will Löw die Diskussion um Gomez Torflaute dadurch beenden, dass er ihn von Köpke auf Ersatztorwart umschulen lässt.
Im Mutterland des Fußballs, in Deutschland, bereitet sich inzwischen der Staat auf den kommenden Fußballabend vor: in Duisburg, Stuttgart, Hamburg und Frankfurt am Main wird es Krisenzentren mit Psychologen geben, die die traumatisierten Anhänger der Verlierermannschaft beraten werden, die Bundeswehr wird mobile Lazarette bereitstellen, in denen die Opfer der Siegesfeiern schnell und unkompliziert verarztet werden können, Tornados der Luftwaffe werden von oben ständig den Weg der Autocorsos überwachen und Berlin soll komplett geräumt werden.
Bei den Grünen hat sich ein Krisenstab eingefunden, der Integrationsvorschläge für den Fall erarbeiten soll, dass die Türken gewinnen: Deutsch soll dann zweite Amtssprache werden und bereits im Kindergarten sollen türkische Frühförderkurse angeboten werden. Ströbele hat für Weihnachten einen Feiertag vorgeschlagen, der unregelmäßig immer auf einen Sonntag fallen soll. Auch Lockerungen der Kopftuchpflicht in bestimmten Berufen, wie beispielsweise dem des „Modells für Produkte des Friseurhandwerks“ sind im Gespräch. Bastian Schweinsteiger wird sich allerdings wohl tatsächlich in „Hammelsteiger“ umbenennen müssen. Dafür soll aber Christian Ziege wieder in die Mannschaft kommen.
Angela Merkel hingegen wollte ursprünglich wieder zur Schweini-Show kommen, solange Schweini noch Schweini und nicht Hammi ist, aber nachdem Erdogan angekündigt hat, er werde mit seiner kompletten Familie die Schlacht ansehen, gab es leider keine Karten mehr für das Glücksschweinchen und EM-Maskottchen unserer Mannschaft.
Schließlich erlauben mit diese spielfreien Tage auch ein kurzes Fazit zu ziehen. Die Favoriten sind bisher alle gestorben – bis auf uns. Liegt wohl daran, dass wir seit geraumer Zeit nicht mehr zu den Favoriten zählen, was mir schon etwas zu denken gibt. Wir haben ja auch schon lange keinen „Großen“ mehr geschlagen, betonen dafür aber im Gegenzug ständig, dass es keine „Kleinen“ mehr gibt. Insofern haben wir den „Großen“ San Marino immerhin mit 13:0 weggeputzt – ein Ergebnis, das ich gegen die Türken für durchaus wünschenswert halte.
Wäre ich nicht gerade Deutsche, dann würde ich einer der anderen Mannschaft die EM gönnen – beispielsweise den Russkis, die so schön unbekümmert aufspielen. Oder den Türken, weil sie so eine 1a-Chaostruppe sind. Anarcho-Fußball in Reinkultur. Hau wech die Pille, Hassan. Andererseits wären wir auch mal wieder dran, zum Einen, um die europäischen Verhältnisse wieder geradezurücken, zum Anderen, weil es die Italiener ärgert.
Und schlussendlich, weil es die Engländer verletzt.
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Freitag, 20. Juni 2008
EM Tag 13
shiwa, 11:11h
Der Bundesjogi wird nun also gegen Portugallien auf der Tribüne sitzen und in der Nase bohren und nur der Jogi sein, während Nutella-Hansi nur für diese eine leidenschaftliche Nacht der Bundeshansler sein wird. Was für ein Aufstieg.
Sagen wir es mal so: sollte die deutsche Mannschaft deswegen so aufspielen, weil Jogi heute nebst Wärter hinter Glas zu besichtigen ist, so spreche ich mich hiermit in aller Deutlichkeit für ein zukünftiges Stadionverbot für Bundesjogi aus.
Auch die Aufstellung ist interessant: Frings hat irgendwie seine Tage und kann nicht spielen und Gomez bleibt draußen, weil die Portugiesen auch einen Gomez haben und man augenscheinlich speziell für Metzelder, den Verwirrten, Verwechslungen vermeiden möchte.
Die Portugiesen haben ihre Elitekämpfer auf dem Platz, allen voran natürlich Ronaldo, der es auch mit 11 Mann aufnehmen kann und als Trainer Scolari, die coolste Sau, die jemals Trainer war, den Scolari, der meinte, die Deutschen seien der härteste Brocken auf dem Weg ins Finale.
Unsere Jungs, nach den letzten beiden Spielen von den Meisten, außer mir natürlich, schon als klarer Verlierer ausgemacht, legen los, als gälte es, das englische Expeditionskorps ins Meer zu schmeißen, dabei sind doch da nur nette Portugiesen mit dem Fußballgott Ronaldo auf dem Platz.
Ballacks Pässe landen versehentlich nicht beim Gegner sondern bei den eigenen Leuten, Schweinsteiger, heute ohne i-pod, rennt, als ginge es um sein Leben, Mario Gomez feuert von der Ersatzbank aus an und Lahm spielt gut wie immer. Metzelder leider auch, aber dazu später mehr.
Die Portugiesen scheinen etwas irritiert, weil sie eigentlich erwartet hätten, das Spiel zu machen und bemerken in der 22sten Minute keinen Schweinsteiger, weil sie den bei seiner Uschi auf der Bühne vermutet haben. Der aber taucht wie ein Schatten plötzlich vor dem Portugiesentor auf und rennt fast mit dem Ball ins Gool. Germany än pont.
Gut, eine Mannschaft mit Charakter lässt sich von einem 1:0 Rückstand nicht schocken, sondern dreht erst recht auf. Zum Pech für die Portugiesen spielen ihre Lieblingsgegner heute aber mal nicht auf Ergebnis und zur Abwechslung macht auch mal Klose sein Tor und darf sogar jubeln, weil es ja kein Spiel gegen Polen war.
Bis zur 40sten Minute stürmen jetzt die Portugiesen an, alleine, selbst wenn sie das Tor treffen, steht da heute ein extrem konzentrierter Jens Lehmann, der ca. 20 Zettel in den Stutzen hat und hält ein- ums andere Mal. Und während Jogi oben auf der Bühne schon entspannt kleine Popelkügelchen aus der Nase zieht, bekommt Metzelder unten im Strafraum den Zuruf „Achtung! Der Gomez!“ und glaubt in seinem Tran, dies sei ein Pass, den er versenken müsste. Was er dann auch an dem überraschten Lehmann vorbei tut. Zu Metzis Überraschung jubeln aber die Portugiesen und schon isses passiert. Nur noch 2:1.
Jogi geht in der Pause eine Kanne Kaffee trinken um sich zu beruhigen, stets bewacht von einem Fifa-Schergen, Hans im Glück darf in der Kabine die Mannschaft belabern und es fängt zu schiffen an, als hätte Fritz Walter persönlich die Wolken übers Stadion geschubst und als nach 15 Minuten der berüchtigte Deppenschiri wieder kontrolliert, dass Hansi nicht über die Coaching-Linie latscht, betritt die beste Mannschaft des Turniers nach den Türken, Spaniern, Kroaten, Niederländern, Russen und Portugiesen wieder den Platz.
In der zweiten Halbzeit geht es ganz munter weiter. Beide Teams haben ihre Chancen, wobei bei den Portugalos Ronaldo schmerzlich vermisst wird, der seine Abmeldebescheinigung bei Arne Friedrich abgegeben hat. Scolari frisst vor Aufregung die Bendel seiner Sportjacke.
Ballack hat dann die Faxen dicke und schenkt den Portugiesen in der 62sten Minute das 3:1 ein, was diese jetzt irgendwie nicht so gut finden und das gegenseitige Verständnis und den Respekt der beiden Teams in der Folge schwer belastet. Im deutschen Fanblock wird gejubelt und auch Uschi Schweinsteiger freut sich wie ein Weihnachtsengel, weil Schweini sie nach dem Spiel vor Freude wie ein Christbaum behängen wird und sie wohl pünktlich zum Privatshopping kommt.
Die Portugiesen hingegen sind sehr verärgert und fangen an zu foulen und kommen wieder besser ins Spiel.
Nach einiger Zeit scheint Hansis Nutellaschluckern, wie immer, wenn sie am Siegen sind, etwas langweilig zu werden und sie lassen aus Dramaturgiegründen die Portugiesen noch ein Tor schießen. Gottseidank läuft das Spiel auf einem öffentlich-rechtlichen Sender, bei Pro7 käme jetzt die Werbung, Franz Beckenbauer würde als Schlusssatz „ja gut, ich sag mal, nur einer kann Europas next Europameister werden“ sagen und die letzten 5 Minuten würden kommende Woche übertragen werden.
So aber geht es weiter und dabei mache ich eine interessante Beobachtung über die Relativität der Zeit: Wenn Deine Mannschaft mit einem Tor hinten liegt, dann sind 5+4 Minuten Nachspielzeit eine lächerlich kurze Zeitspanne, liegt sie jedoch mit einem Tor vorne, dann werden aus 5+4 Minuten gefühlte 60.
Die Portugiesen stemmen sich gegen die Heimfahrt, weil sie ein geiles Hotel haben, Podolski schleppt sich mit letzter Kraft nochmal vors portugiesische Tor, ist jedoch platter als eine Kröte nach einer versuchten Autobahnüberquerung und dann hat Gott heute einen Deutschlandschal um und das Spiel ist aus und Deutschland muss jetzt eben aufpassen, dass es nicht gegen Kroatien oder, schlimmer, die Türken rausfliegt, die beide als klarer Favorit im nächsten Spiel gegen uns starten.
Ich trage das 3:2 auf meinem EM-Bierdeckel ein... Ich hab ja immer an unsere Mannschaft geglaubt und es gleich gesagt! Lehmann hat jetzt übrigens schon seit 450 Minuten kein Tor geschossen.
In England überlegt man ernsthaft, ob man nicht lieber den Harmloshansi statt Scolari für Chelsea verpflichten soll - sofern sich Rehagel nicht doch für die Griechen entscheidet.
Sagen wir es mal so: sollte die deutsche Mannschaft deswegen so aufspielen, weil Jogi heute nebst Wärter hinter Glas zu besichtigen ist, so spreche ich mich hiermit in aller Deutlichkeit für ein zukünftiges Stadionverbot für Bundesjogi aus.
Auch die Aufstellung ist interessant: Frings hat irgendwie seine Tage und kann nicht spielen und Gomez bleibt draußen, weil die Portugiesen auch einen Gomez haben und man augenscheinlich speziell für Metzelder, den Verwirrten, Verwechslungen vermeiden möchte.
Die Portugiesen haben ihre Elitekämpfer auf dem Platz, allen voran natürlich Ronaldo, der es auch mit 11 Mann aufnehmen kann und als Trainer Scolari, die coolste Sau, die jemals Trainer war, den Scolari, der meinte, die Deutschen seien der härteste Brocken auf dem Weg ins Finale.
Unsere Jungs, nach den letzten beiden Spielen von den Meisten, außer mir natürlich, schon als klarer Verlierer ausgemacht, legen los, als gälte es, das englische Expeditionskorps ins Meer zu schmeißen, dabei sind doch da nur nette Portugiesen mit dem Fußballgott Ronaldo auf dem Platz.
Ballacks Pässe landen versehentlich nicht beim Gegner sondern bei den eigenen Leuten, Schweinsteiger, heute ohne i-pod, rennt, als ginge es um sein Leben, Mario Gomez feuert von der Ersatzbank aus an und Lahm spielt gut wie immer. Metzelder leider auch, aber dazu später mehr.
Die Portugiesen scheinen etwas irritiert, weil sie eigentlich erwartet hätten, das Spiel zu machen und bemerken in der 22sten Minute keinen Schweinsteiger, weil sie den bei seiner Uschi auf der Bühne vermutet haben. Der aber taucht wie ein Schatten plötzlich vor dem Portugiesentor auf und rennt fast mit dem Ball ins Gool. Germany än pont.
Gut, eine Mannschaft mit Charakter lässt sich von einem 1:0 Rückstand nicht schocken, sondern dreht erst recht auf. Zum Pech für die Portugiesen spielen ihre Lieblingsgegner heute aber mal nicht auf Ergebnis und zur Abwechslung macht auch mal Klose sein Tor und darf sogar jubeln, weil es ja kein Spiel gegen Polen war.
Bis zur 40sten Minute stürmen jetzt die Portugiesen an, alleine, selbst wenn sie das Tor treffen, steht da heute ein extrem konzentrierter Jens Lehmann, der ca. 20 Zettel in den Stutzen hat und hält ein- ums andere Mal. Und während Jogi oben auf der Bühne schon entspannt kleine Popelkügelchen aus der Nase zieht, bekommt Metzelder unten im Strafraum den Zuruf „Achtung! Der Gomez!“ und glaubt in seinem Tran, dies sei ein Pass, den er versenken müsste. Was er dann auch an dem überraschten Lehmann vorbei tut. Zu Metzis Überraschung jubeln aber die Portugiesen und schon isses passiert. Nur noch 2:1.
Jogi geht in der Pause eine Kanne Kaffee trinken um sich zu beruhigen, stets bewacht von einem Fifa-Schergen, Hans im Glück darf in der Kabine die Mannschaft belabern und es fängt zu schiffen an, als hätte Fritz Walter persönlich die Wolken übers Stadion geschubst und als nach 15 Minuten der berüchtigte Deppenschiri wieder kontrolliert, dass Hansi nicht über die Coaching-Linie latscht, betritt die beste Mannschaft des Turniers nach den Türken, Spaniern, Kroaten, Niederländern, Russen und Portugiesen wieder den Platz.
In der zweiten Halbzeit geht es ganz munter weiter. Beide Teams haben ihre Chancen, wobei bei den Portugalos Ronaldo schmerzlich vermisst wird, der seine Abmeldebescheinigung bei Arne Friedrich abgegeben hat. Scolari frisst vor Aufregung die Bendel seiner Sportjacke.
Ballack hat dann die Faxen dicke und schenkt den Portugiesen in der 62sten Minute das 3:1 ein, was diese jetzt irgendwie nicht so gut finden und das gegenseitige Verständnis und den Respekt der beiden Teams in der Folge schwer belastet. Im deutschen Fanblock wird gejubelt und auch Uschi Schweinsteiger freut sich wie ein Weihnachtsengel, weil Schweini sie nach dem Spiel vor Freude wie ein Christbaum behängen wird und sie wohl pünktlich zum Privatshopping kommt.
Die Portugiesen hingegen sind sehr verärgert und fangen an zu foulen und kommen wieder besser ins Spiel.
Nach einiger Zeit scheint Hansis Nutellaschluckern, wie immer, wenn sie am Siegen sind, etwas langweilig zu werden und sie lassen aus Dramaturgiegründen die Portugiesen noch ein Tor schießen. Gottseidank läuft das Spiel auf einem öffentlich-rechtlichen Sender, bei Pro7 käme jetzt die Werbung, Franz Beckenbauer würde als Schlusssatz „ja gut, ich sag mal, nur einer kann Europas next Europameister werden“ sagen und die letzten 5 Minuten würden kommende Woche übertragen werden.
So aber geht es weiter und dabei mache ich eine interessante Beobachtung über die Relativität der Zeit: Wenn Deine Mannschaft mit einem Tor hinten liegt, dann sind 5+4 Minuten Nachspielzeit eine lächerlich kurze Zeitspanne, liegt sie jedoch mit einem Tor vorne, dann werden aus 5+4 Minuten gefühlte 60.
Die Portugiesen stemmen sich gegen die Heimfahrt, weil sie ein geiles Hotel haben, Podolski schleppt sich mit letzter Kraft nochmal vors portugiesische Tor, ist jedoch platter als eine Kröte nach einer versuchten Autobahnüberquerung und dann hat Gott heute einen Deutschlandschal um und das Spiel ist aus und Deutschland muss jetzt eben aufpassen, dass es nicht gegen Kroatien oder, schlimmer, die Türken rausfliegt, die beide als klarer Favorit im nächsten Spiel gegen uns starten.
Ich trage das 3:2 auf meinem EM-Bierdeckel ein... Ich hab ja immer an unsere Mannschaft geglaubt und es gleich gesagt! Lehmann hat jetzt übrigens schon seit 450 Minuten kein Tor geschossen.
In England überlegt man ernsthaft, ob man nicht lieber den Harmloshansi statt Scolari für Chelsea verpflichten soll - sofern sich Rehagel nicht doch für die Griechen entscheidet.
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