Mittwoch, 11. Juni 2008
EM Tag 2
shiwa, 21:08h
Die beste Mannschaft der Welt, England, nimmt jetzt doch an der EM teil. Sicher, nicht als Nationalmannschaft, aber, wie die englischen Leser der „Sun“ heute Morgen erfahren, über die ausländischen Spieler, die in der Premier-League spielen. Und tatsächlich läuft für Spanien knapp die Hälfte des FC Liverpool auf, Portugal setzt auf Chelsea und Manchester und sogar Frankreich hat mehr englische Fremdenlegionäre im Team als turnierpflichtige Eigengewächse. Freuen wir uns also auf Liverpool gegen Chelsea. Und wundern wir uns nicht, dass die englische Nationalmannschaft nichts her gibt – wie auch, wenn alle Vereinsspieler Auslandsware sind?
In Klagenfurt gibt’s Klagen: deutsche und polnische „Fußballfans“ haben in der Vorfreude auf die heutige Fußballschlacht gemeinsam beschlossen, im Gedenken an 1939 den Einmarsch nachzustellen, die Polizei übernahm die Rolle der Russen und hat die Darsteller ins Gulag gepackt, in Hamburg haben einige mediterran temperamentvoll feiernde Türken das Ergebnis auf dem Platz auf der Fanmeile zu revidieren versucht und mangels Portugiesen eben die Polizei angegriffen, weil beides ja auch mit „P“ wie „Polen“ anfängt. Auch dieses Spiel endet mit 2:0 gegen die Türken.
Nebenbei wird auch noch Fußball gespielt.
Die Österreicher, deren Qualität vor allem seit den letzten 24 Monaten als traditionsgemäß „unterirdisch“ bezeichnet wird, gegen die Tommyknockers, die Kroaten, die heute mit 12 Mann antreten – 11 Spielern und einem Schiedsrichter. Gleich in der dritten Minute zeigen die Kroaten auch ihre besondere Qualität – und zwar als Schauspieler. Irgendein Kroat-ic lässt sich im Strafraum plumpsen, nachdem ihm ein Österreicher in den Rücken geatmet hat und *zack* gibt’s Elfmeter. Die Kroaten verwandeln souverän und eigentlich war es das dann. Unsere kleinen Brüder mühen sich zwar redlich, rennen und kämpfen und machen und tun, aber die Kroaten sind zu abgeklärt, stellen sich hinten rein und lassen die Ösis sich abzappeln. Die verzweifelten Fernschüsse der Gastgeber amüsieren nur den kroatischen Torwart.
In der zweiten Halbzeit wechseln die Österreicher aus Verzweiflung auch noch den ältesten Feldspieler dieser EM ein, dieser wirft seine Gehhilfen weg, aber es nutzt alles nichts. Aus Österreich wird Österarm und beide Trainer vertreiben sich die Zeit damit, Spieler auszuwechseln. Und so kommt es, dass der weitere Gastgeber dieses Kindergeburtstags ebenfalls früher ins Bett muss während die anderen noch feiern und ich trage in den EM-Planer ein glückliches 1:0 für Kroatien ein.
Und dann unser Spiel. Deutschland gegen Polen. Bratwurst gegen Krakauer Würstchen. Ein Spiel, das sich um die entscheidende Frage dreht: Schweini oder Gomez? Und natürlich um die Frage, welches Trikot der erste polnische Torschütze tragen wird.
Antwort auf die erste Frage: Gomez. Auf die zweite Frage: schwarz-weiß. Die mehr köpf- als ballstarken Polen gehen auf den Platz wie Gladiatoren, schließlich wissen sie von der eigenen Presse, dass sie die stärkste Mannschaft und der absolute Geheimtipp dieser EM sind, weil sie a) einen Niederländer als Trainer haben und b) aus Rache für Podolski und Klose einen Brasilianer importiert haben. Und während man in Warschau und Gdansk noch träumerisch vor sich hin schwärmt, schießt ein tieftrauriger, expatriierter Lukas Podolski das 1:0, weil Gomez das leider nicht so gut kann. Aber noch ist Polen nicht verloren. Allerdings bleiben die Polen nachwievor ein sehr geheimer Geheimtipp, denn es kommt kaum ein Pole in den deutschen Strafraum, außer er heißt Podolski oder Klose. Die polnischen Fans schweigen tiefer als bei der Beerdigung von Johannes-Paul II. , Ballack hat mal Zeit, Pässe zu spielen, die gelegentlich auch ankommen und Metzelder klärt Lehmann darüber auf, daß ER der Torwart ist, was sich Lehmann in der Folge auch zu Herzen nimmt.
In der Pause droht der polnische Trainer, sämtliche Spieler nach Albanien zu verschenken und dementsprechend motiviert treten die Polen in der zweiten Halbzeit auf und spielen so etwas Ähnliches wie Fußball, bleiben aber, nicht zuletzt aufgrund der Exilpolen, ohne Erfolg.
Nebenbei kommt auch Schweinsteiger für Fritz, der ausgepumpter als eine Campingtoilette vor der Winterpause ist, ins Spiel und tut das, was er auch schon 2006 gemacht hat: seinem Gegenspieler auf den Zeiger gehen und Podolski schön von hinten bedienen. Das tut er dann in der 72sten Minute so gut, dass der unglückliche Podolski unter Tränen und tief bedauernd den Ball ein weiteres Mal ins polnische Eigentor hämmern muss. Den Polen dämmert daraufhin, dass es mit dem 4:0 gegen Deutschland so langsam etwas eng werden könnte und sie machen trotzdem nichts anderes als die bisherigen Sinnlosigkeiten. Schließlich sind sie ja die bessere Mannschaft, das wissen sie ja aus den polnischen Zeitungen. Löw, wissend um die Gewissenskonflikte seiner Importpolen, tauscht in der 90sten Minute sicherheitshalber Klose gegen Kuranyi aus, damit jener nicht aus falsch verstandener Solidarnosc noch irgendeinen Unsinn macht und dann ist das Spiel aus und das polnische Erwachen kurz und schmerzhaft. Löw und Ballack dürfen ihre kühlen Köpfe behalten.
Polen ist nun doch verloren und tritt damit konsequent die würdige Nachfolge der eigentlich besten Mannschaft des Universums, nämlich England, an. Der EM-Planer bekommt lächelnd ein 2 für Deutschland und ein berechtigtes 0 für Polen.
Die polnische Presse wird natürlich morgen Verschwörungstheorien verbreiten, die die Gerüchte um die Mondlandung wie glasharte Logik erscheinen lassen werden.
In Klagenfurt gibt’s Klagen: deutsche und polnische „Fußballfans“ haben in der Vorfreude auf die heutige Fußballschlacht gemeinsam beschlossen, im Gedenken an 1939 den Einmarsch nachzustellen, die Polizei übernahm die Rolle der Russen und hat die Darsteller ins Gulag gepackt, in Hamburg haben einige mediterran temperamentvoll feiernde Türken das Ergebnis auf dem Platz auf der Fanmeile zu revidieren versucht und mangels Portugiesen eben die Polizei angegriffen, weil beides ja auch mit „P“ wie „Polen“ anfängt. Auch dieses Spiel endet mit 2:0 gegen die Türken.
Nebenbei wird auch noch Fußball gespielt.
Die Österreicher, deren Qualität vor allem seit den letzten 24 Monaten als traditionsgemäß „unterirdisch“ bezeichnet wird, gegen die Tommyknockers, die Kroaten, die heute mit 12 Mann antreten – 11 Spielern und einem Schiedsrichter. Gleich in der dritten Minute zeigen die Kroaten auch ihre besondere Qualität – und zwar als Schauspieler. Irgendein Kroat-ic lässt sich im Strafraum plumpsen, nachdem ihm ein Österreicher in den Rücken geatmet hat und *zack* gibt’s Elfmeter. Die Kroaten verwandeln souverän und eigentlich war es das dann. Unsere kleinen Brüder mühen sich zwar redlich, rennen und kämpfen und machen und tun, aber die Kroaten sind zu abgeklärt, stellen sich hinten rein und lassen die Ösis sich abzappeln. Die verzweifelten Fernschüsse der Gastgeber amüsieren nur den kroatischen Torwart.
In der zweiten Halbzeit wechseln die Österreicher aus Verzweiflung auch noch den ältesten Feldspieler dieser EM ein, dieser wirft seine Gehhilfen weg, aber es nutzt alles nichts. Aus Österreich wird Österarm und beide Trainer vertreiben sich die Zeit damit, Spieler auszuwechseln. Und so kommt es, dass der weitere Gastgeber dieses Kindergeburtstags ebenfalls früher ins Bett muss während die anderen noch feiern und ich trage in den EM-Planer ein glückliches 1:0 für Kroatien ein.
Und dann unser Spiel. Deutschland gegen Polen. Bratwurst gegen Krakauer Würstchen. Ein Spiel, das sich um die entscheidende Frage dreht: Schweini oder Gomez? Und natürlich um die Frage, welches Trikot der erste polnische Torschütze tragen wird.
Antwort auf die erste Frage: Gomez. Auf die zweite Frage: schwarz-weiß. Die mehr köpf- als ballstarken Polen gehen auf den Platz wie Gladiatoren, schließlich wissen sie von der eigenen Presse, dass sie die stärkste Mannschaft und der absolute Geheimtipp dieser EM sind, weil sie a) einen Niederländer als Trainer haben und b) aus Rache für Podolski und Klose einen Brasilianer importiert haben. Und während man in Warschau und Gdansk noch träumerisch vor sich hin schwärmt, schießt ein tieftrauriger, expatriierter Lukas Podolski das 1:0, weil Gomez das leider nicht so gut kann. Aber noch ist Polen nicht verloren. Allerdings bleiben die Polen nachwievor ein sehr geheimer Geheimtipp, denn es kommt kaum ein Pole in den deutschen Strafraum, außer er heißt Podolski oder Klose. Die polnischen Fans schweigen tiefer als bei der Beerdigung von Johannes-Paul II. , Ballack hat mal Zeit, Pässe zu spielen, die gelegentlich auch ankommen und Metzelder klärt Lehmann darüber auf, daß ER der Torwart ist, was sich Lehmann in der Folge auch zu Herzen nimmt.
In der Pause droht der polnische Trainer, sämtliche Spieler nach Albanien zu verschenken und dementsprechend motiviert treten die Polen in der zweiten Halbzeit auf und spielen so etwas Ähnliches wie Fußball, bleiben aber, nicht zuletzt aufgrund der Exilpolen, ohne Erfolg.
Nebenbei kommt auch Schweinsteiger für Fritz, der ausgepumpter als eine Campingtoilette vor der Winterpause ist, ins Spiel und tut das, was er auch schon 2006 gemacht hat: seinem Gegenspieler auf den Zeiger gehen und Podolski schön von hinten bedienen. Das tut er dann in der 72sten Minute so gut, dass der unglückliche Podolski unter Tränen und tief bedauernd den Ball ein weiteres Mal ins polnische Eigentor hämmern muss. Den Polen dämmert daraufhin, dass es mit dem 4:0 gegen Deutschland so langsam etwas eng werden könnte und sie machen trotzdem nichts anderes als die bisherigen Sinnlosigkeiten. Schließlich sind sie ja die bessere Mannschaft, das wissen sie ja aus den polnischen Zeitungen. Löw, wissend um die Gewissenskonflikte seiner Importpolen, tauscht in der 90sten Minute sicherheitshalber Klose gegen Kuranyi aus, damit jener nicht aus falsch verstandener Solidarnosc noch irgendeinen Unsinn macht und dann ist das Spiel aus und das polnische Erwachen kurz und schmerzhaft. Löw und Ballack dürfen ihre kühlen Köpfe behalten.
Polen ist nun doch verloren und tritt damit konsequent die würdige Nachfolge der eigentlich besten Mannschaft des Universums, nämlich England, an. Der EM-Planer bekommt lächelnd ein 2 für Deutschland und ein berechtigtes 0 für Polen.
Die polnische Presse wird natürlich morgen Verschwörungstheorien verbreiten, die die Gerüchte um die Mondlandung wie glasharte Logik erscheinen lassen werden.