... newer stories
Dienstag, 17. Juni 2008
EM Tag 10
shiwa, 15:20h
Gestern war ja der Tag der Tage. B-Day. Ballack-Tag. Der Bundesjogi hat die Mannschaft glashart vorbereitet. Absolutes Nutellaverbot. Cricket und Synchronturmspringen als Vorbereitungstraining. Russisches Roulette zur Entspannung. Antiaggressionstraining mit Claudia Roth. Rhetoriktraining mit Dieter Nuhr. Unschuldig-gucken-Training mit Gregor Gysi. 1000-Meter-Schwimmen während eines islamischen Frauenbadetages. Autogrammstunde bei den Spielern der deutschen Handballmannschaft. Jogi hat kein noch so abstraktes Training, kein noch so widersinniges Motivationsseminar ausgelassen, um unsere Jungs fit für das gestrige Schlagerspiel gegen das mangels echter Erzrivalen zum Ersatzrivalen hochstilisierte Österreich zu machen.
Er selbst hat sich einen japanischen Zen-Meister extra aus Düsseldorf einfliegen lassen, der ihn in die Geheimnisse des Seppuku einweihen sollte und, ganz in deutscher Tradition, irgendwelche ominöse Tabletten am hoteleigenen Schäferhund ausprobiert. Nur für alle Fälle…
Die Österreicher hingegen werden auf Aggression trainiert und müssen Beleidigungen wie „Bankdrücker“ und „Kunstmalerverbieger“ und „Spieler von Mainz05“ auswendig lernen. Ganz klar, welcher Kurs im Top-Spiel des Jahrtausends gefahren werden soll! Provokation und eiskaltes, blitzschnelles Zuschlagen. Ausgerechnet bei Österreichern.
Und dann ist es so weit.
Pünktlich um 20.45 kommt die deutsche Nationalmannschaft, those, who are fully trained on the point, ernst und gefasst aus den Wiener Katakomben wie weiland Natasch… lassen wir die Klischees. Bei der Deutschlandhymne singt interessanterweise das komplette Stadion mit, gelernt ist eben gelernt und niemand kann aus seiner Haut.
Die Österreicher treten mit einem Torwart, zehn Feldspielern und einem Schiedsrichter an, die Deutschen haben Mario Gomez im Sturm und Christoph Metzelder in der Abwehr und damit zwei Feldspieler weniger als die nötigen zehn, aber niemandem fällt das anfangs auf.
Und tatsächlich bringt Gomez, der anscheinend von den beiden gleich aussehenden Toren irritiert ist und nicht weiß, vor welchem Kasten er im Moment steht (und der sich wohl wundert, was Klose heute in der Verteidigung macht) das Kunststück fertig, mittig vor dem Tor aus einem Meter Entfernung daneben zu schießen. Auch so etwas will gelernt sein. Was macht Gomez nochmal beruflich?
Die Österreicher sind über diese schon fast unverschämt verächtliche Stümperei derart sauer, dass sie beschließen, ihren germanischen Stammesbrüdern mal kräftig in die Weichteile zu treten, worauf der spanische Schiedsrichter seinen Blindenausweis zückt und die gelbe Pappe den Österreichern zeigt. Die interpretieren diesen subtilen Hinweis auch vollkommen richtig und deswegen knallt ein Österreicher Podolski mal ganz kurz eine, damit der endlich aufwacht. Zu Recht, zu Recht. Der Schiedsrichter lächelt und lässt weiterspielen. Bis zur Halbzeit herrscht auf den Trainerbänken mehr Action als auf dem Spielfeld, weil sich Jogi und Hickersberger sehr gerne über das Verhalten in der Coaching-Zone austauschen möchten, was dazu führt, dass sich beide wie unartige Jungs zu ihren jeweiligen Regierungschefs setzen und brav sein müssen. „Scheischsche“, wie der Bundesjogi später zu dem kichernden Schweinsteiger auf der Tribüne sagen wird, was deren beiderseitiges Verhältnis in Zukunft etwas belasten dürfte.
In der Halbtscheit, pardon, Halbzeit, erklärt Yogi vom Tribünendach seinen Schützlingen, dass der auf das öde Gekicke, das er als „mir werra bisch zur Leischtungschgrensche un darüber hinausch gehe“-Cheftrompeter angekündigt hat, „keine Luscht“ mehr hat und jetscht auf ein Bier mit der Bundeschkantschlerin geht.
In der 49sten Minute endlich legt Ivanschitz, das alte Schlitzohr, Klose um, was aber bis auf den Schiedsrichter niemand bemerkt, und es gibt einen Freistoss für unsere Jungs. Ballack, tritt an und haut den Ball „mit 130 Sachen“, wie die Chronisten später feinsinnig nachmessen werden, weil sie ja sonst auch nichts zu tun haben während dieses ach so wichtigen Grottenkicks, in das Tor der entsetzten Österreicher, die ja eigentlich um diese Zeit ihren 2:0 Rückstand schon aufgeholt haben wollten, sofern Gomez es geschafft hätte, wenigstens ein einziges Mal einen Ball unter Kontrolle gebracht zu haben. Tricky, die runden Dinger mit den lustigen Farben.
Auf jeden Fall steht es 1:0 für Schland und die restliche halbe Stunde füllt sich zu mindestens der gefühlten Hälfte mit dem Bild des backenaufblasenden Ballacks in Zeitlupe, wie er den Ball „mit 130 Sachen“ in Richtung Ösi-Tor donnert, weil: auf dem Feld isses langweilig. Und Michael erinnert mich dabei an so Kinderzeichnungen vom Wind, wie der die Wolken wegbläst oder Drachen antreibt. Irgendwie gruselig, dieser Ballack.
Die Österreicher sehen das auch so und spielen danach endlich fair, weil sie Ballack nicht noch einmal einen Freistoß schießen sehen wollen. Auf der deutschen Trainerbank hat man in der 60sten Minute endlich ein Einsehen und holt den auf dem Platz hilf- und orientierungslos herumirrenden „Gometsch“ endlich vom Feld, der darauf ein freudiges Wiedersehen mit der Ersatzbank feiert.
Bis zum Ende der Partie mühen sich die Österreicher redlich und der engagierte Podolski macht dem Fehljoker Neuville Platz, dessen Ballkontakte während der letzten beiden Turniere auf eine Briefmarke passen.
Alle Beteiligten, nicht zuletzt alle Zuschauer, sind froh, als in der 93sten Minute endlich abgepfiffen wird, die Deutschen sind in der nächsten Runde, die Österreicher gehen traditionsgemäß enttäuscht in den Keller und aus dieser EM.
Und so, wie sie im Moment spielt, wird ihr die deutsche Mannschaft am Donnerstag auf diesem Wege folgen. Motivation hin, Yogi-Bär her! Der EM-Planer erhält ein lustloses 1:0 und ab dafür.
Das zweite Spiel des Abends, Polen gegen Kroatien, ging 1:0 für die Kroaten aus, aber das hat hier sowieso keinen interessiert. Ich hab nicht einmal das Ergebnis in den EM-Planer eingetragen. Wozu auch?
Aus England verlautet übrigens, dass an Marco Gomez großes Interesse besteht. Sie suchen bei Chelsea jemand, der den Stadionrasen mäht.
Er selbst hat sich einen japanischen Zen-Meister extra aus Düsseldorf einfliegen lassen, der ihn in die Geheimnisse des Seppuku einweihen sollte und, ganz in deutscher Tradition, irgendwelche ominöse Tabletten am hoteleigenen Schäferhund ausprobiert. Nur für alle Fälle…
Die Österreicher hingegen werden auf Aggression trainiert und müssen Beleidigungen wie „Bankdrücker“ und „Kunstmalerverbieger“ und „Spieler von Mainz05“ auswendig lernen. Ganz klar, welcher Kurs im Top-Spiel des Jahrtausends gefahren werden soll! Provokation und eiskaltes, blitzschnelles Zuschlagen. Ausgerechnet bei Österreichern.
Und dann ist es so weit.
Pünktlich um 20.45 kommt die deutsche Nationalmannschaft, those, who are fully trained on the point, ernst und gefasst aus den Wiener Katakomben wie weiland Natasch… lassen wir die Klischees. Bei der Deutschlandhymne singt interessanterweise das komplette Stadion mit, gelernt ist eben gelernt und niemand kann aus seiner Haut.
Die Österreicher treten mit einem Torwart, zehn Feldspielern und einem Schiedsrichter an, die Deutschen haben Mario Gomez im Sturm und Christoph Metzelder in der Abwehr und damit zwei Feldspieler weniger als die nötigen zehn, aber niemandem fällt das anfangs auf.
Und tatsächlich bringt Gomez, der anscheinend von den beiden gleich aussehenden Toren irritiert ist und nicht weiß, vor welchem Kasten er im Moment steht (und der sich wohl wundert, was Klose heute in der Verteidigung macht) das Kunststück fertig, mittig vor dem Tor aus einem Meter Entfernung daneben zu schießen. Auch so etwas will gelernt sein. Was macht Gomez nochmal beruflich?
Die Österreicher sind über diese schon fast unverschämt verächtliche Stümperei derart sauer, dass sie beschließen, ihren germanischen Stammesbrüdern mal kräftig in die Weichteile zu treten, worauf der spanische Schiedsrichter seinen Blindenausweis zückt und die gelbe Pappe den Österreichern zeigt. Die interpretieren diesen subtilen Hinweis auch vollkommen richtig und deswegen knallt ein Österreicher Podolski mal ganz kurz eine, damit der endlich aufwacht. Zu Recht, zu Recht. Der Schiedsrichter lächelt und lässt weiterspielen. Bis zur Halbzeit herrscht auf den Trainerbänken mehr Action als auf dem Spielfeld, weil sich Jogi und Hickersberger sehr gerne über das Verhalten in der Coaching-Zone austauschen möchten, was dazu führt, dass sich beide wie unartige Jungs zu ihren jeweiligen Regierungschefs setzen und brav sein müssen. „Scheischsche“, wie der Bundesjogi später zu dem kichernden Schweinsteiger auf der Tribüne sagen wird, was deren beiderseitiges Verhältnis in Zukunft etwas belasten dürfte.
In der Halbtscheit, pardon, Halbzeit, erklärt Yogi vom Tribünendach seinen Schützlingen, dass der auf das öde Gekicke, das er als „mir werra bisch zur Leischtungschgrensche un darüber hinausch gehe“-Cheftrompeter angekündigt hat, „keine Luscht“ mehr hat und jetscht auf ein Bier mit der Bundeschkantschlerin geht.
In der 49sten Minute endlich legt Ivanschitz, das alte Schlitzohr, Klose um, was aber bis auf den Schiedsrichter niemand bemerkt, und es gibt einen Freistoss für unsere Jungs. Ballack, tritt an und haut den Ball „mit 130 Sachen“, wie die Chronisten später feinsinnig nachmessen werden, weil sie ja sonst auch nichts zu tun haben während dieses ach so wichtigen Grottenkicks, in das Tor der entsetzten Österreicher, die ja eigentlich um diese Zeit ihren 2:0 Rückstand schon aufgeholt haben wollten, sofern Gomez es geschafft hätte, wenigstens ein einziges Mal einen Ball unter Kontrolle gebracht zu haben. Tricky, die runden Dinger mit den lustigen Farben.
Auf jeden Fall steht es 1:0 für Schland und die restliche halbe Stunde füllt sich zu mindestens der gefühlten Hälfte mit dem Bild des backenaufblasenden Ballacks in Zeitlupe, wie er den Ball „mit 130 Sachen“ in Richtung Ösi-Tor donnert, weil: auf dem Feld isses langweilig. Und Michael erinnert mich dabei an so Kinderzeichnungen vom Wind, wie der die Wolken wegbläst oder Drachen antreibt. Irgendwie gruselig, dieser Ballack.
Die Österreicher sehen das auch so und spielen danach endlich fair, weil sie Ballack nicht noch einmal einen Freistoß schießen sehen wollen. Auf der deutschen Trainerbank hat man in der 60sten Minute endlich ein Einsehen und holt den auf dem Platz hilf- und orientierungslos herumirrenden „Gometsch“ endlich vom Feld, der darauf ein freudiges Wiedersehen mit der Ersatzbank feiert.
Bis zum Ende der Partie mühen sich die Österreicher redlich und der engagierte Podolski macht dem Fehljoker Neuville Platz, dessen Ballkontakte während der letzten beiden Turniere auf eine Briefmarke passen.
Alle Beteiligten, nicht zuletzt alle Zuschauer, sind froh, als in der 93sten Minute endlich abgepfiffen wird, die Deutschen sind in der nächsten Runde, die Österreicher gehen traditionsgemäß enttäuscht in den Keller und aus dieser EM.
Und so, wie sie im Moment spielt, wird ihr die deutsche Mannschaft am Donnerstag auf diesem Wege folgen. Motivation hin, Yogi-Bär her! Der EM-Planer erhält ein lustloses 1:0 und ab dafür.
Das zweite Spiel des Abends, Polen gegen Kroatien, ging 1:0 für die Kroaten aus, aber das hat hier sowieso keinen interessiert. Ich hab nicht einmal das Ergebnis in den EM-Planer eingetragen. Wozu auch?
Aus England verlautet übrigens, dass an Marco Gomez großes Interesse besteht. Sie suchen bei Chelsea jemand, der den Stadionrasen mäht.
... link
... older stories