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Freitag, 13. Juni 2008
EM Tag 6
shiwa, 10:34h
Wo man derzeit geht und steht, hört man folgenden Satz: „ich kann zwar die Niederländer nicht leiden, aber wie die es den Italienern gezeigt haben, aber holla, saugut, Oranje, das geschieht den Luschen recht.“ Und einige Verräter flaggen neben den Deutschland-Fähnchen auch noch orangene Winkelemente an den Familienbus. Es scheint so eine Art Ehrenkodex für das Beflaggen von Fahrzeugen zu geben: die Fahne des hauptsächlich unterstützten Landes sitzt auf der Beifahrerseite. Dahinter der Zweitplazierte, auf der linken Seite hängt dann der Lappen des Angstgegners. Die Doofen haben die Lieblingsmannschaft auf der Fahrerseite geflaggt, das sind die Fähnchen, die einem auf der Autobahn auf die Windschutzscheibe klatschen, weil der Fahrer davor vergessen hat, dass er keine Klimaanlage im Auto, dafür aber ein Fähnchen hat und das Fenster herunterkurbelt. Tschlock.
Heute ist das Spiel, das wir alle so sehr fürchten. Unsere Jungs gegen die Englandtöter, gegen die Mannschaft, die uns 2004 aus dem Turnier geballert hat, gegen die Tret-Partisanen aus Kroatien. Die Stimmung ist natürlich gut, denn Jogis Löwen sind ja auf den Punkt trainiert und motiviert und haben ja auch Polen besiegt und Polonski und bla und außerdem.
Tja, was soll man sagen? Der Rasen war schlecht? Das Publikum mies? Die Kroaten waren foul wie immer? Oder kann es sein, dass wir uns so ein bisschen von den Siegen gegen „Fußballzwerge“, die es ja angeblich nicht mehr gibt – zumindest, wenn man selbst ein Zwerg ist – haben blenden lassen?
Die Deutschen starten wie die Feuerwehr, alleine, so richtig brennt es im kroatischen Strafraum deshalb noch lange nicht. Die Kroaten starten nämlich auch wie die Feuerwehr und nachdem man sich 24 Minuten so ein wenig beschnüffelt hat, rennt der Kroate Srna an dem verdutzten Jansen vorbei und die beste Mannschaft des Turniers, der Anwärter auf die Titelkrone und Polentöter liegt mit 1:0 hinten. Und geht verwundert in die Halbzeit.
Vielleicht liegt es daran, dass wir zu wenig „native Croats“ und zu viele Geburtspolen in der Mannschaft haben, ich weiß es nicht. Wer nämlich nun dachte, unsere Recken würden sich aufbäumen, die eklige „deutsche Tugend“ des „Gewinnens um jeden Preis“ auspacken und sich wie weiland ´45 gegen die drohende Niederlage stemmen – der sah sich getäuscht. Anscheinend glauben die Jungs um Ballack und Co., dass das schon irgendwie wird. Weiterhin werden Pässe vertändelt und in Zweikämpfe zu gehen, scheint neuerdings auch nicht mehr politisch korrekt zu sein. Vielleicht hats ja auch damit zu tun, dass man als Gruppenerster eventuell doch gegen die Türkei spielen müsste und Jogi hat die Losung „werrets Zweyter, oy Schpiel könnet mir de Kroate überlasche, aber wenn mir Erschter werret, dann brennt zuhausch die Luft geschsche die Türgei.“ Ich weiß es nicht.
Löw tauscht den glücklosen Jansen gegen Odonkor, den „Pfeilschnellen“ und verspricht sich davon wohl, dass Gomez auch mal einen Pass erhält, den er bedenkenlos annehmen kann. Es wäre vielleicht besser gewesen, Löw hätte die komplette Abwehr auf die Bank gesetzt, denn während Ballack ein- ums andere Mal vorne den Ball überallhin, nur nicht aufs kroatische Tor semmelt, machen die Kroaten, agiler und frecher als die verwirrten Sauerkrauts, ihr 2:0.
Was jetzt folgt, ist ungefähr mit der Reaktion vergleichbar, die seinerzeit auf Roman Herzogs „Ruck“-Rede folgte: keinen hat das interessiert. Löw reagiert, in dem er Gomez, diese Doppelnull, gegen den Podolski-Bediener Schweinsteiger austauscht, was er vielleicht schon vor dem Spiel oder eigentlich sogar schon vor der EM hätte tun sollen. Außerdem hat man ja noch 28 Minuten Zeit, jetzt schon drei Tore zu schießen. Das sind knapp alle 10 Minuten eines. Null Problemo für unsere „auf de Punkt genau“ trainierten Jungs.
Es ist ein Trauerspiel. Die komplette deutsche Mannschaft wackelt und zappelt über den Platz, als würde sie an den Fäden der „Augsburger Puppenkiste“ hängen, nichts klappt, nichts geht und im Frust haut Ballack statt den Ball ins Tor mal einen Kroaten um und sieht dafür die gelbe Karte. In der 79sten Minute fällt dann Podolski versehentlich in einen kroatischen Abpraller und macht „den Anschlusstreffer“, damit die Schande nicht ganz so hoch ausfällt. Gut, manchmal reichen ja auch 11 Minuten, um ein Spiel noch zu drehen, aber die zart aufkeimende Hoffnung, dass es wenigstens noch zum Ausgleich reichen könnte, wird schmählich enttäuscht, als Löw ausgerechnet die Wunderwaffe Kuranyi bringt, denn auch die erweist sich als fabulöser Rohrkrepierer. Und wo andere Mannschaften in der 91sten Minute noch das überraschende Tor schießen, fliegen unsere Jungs vom Platz. Schweinsteiger sieht rot, schubst einen Kroaten und sieht deswegen Rot, Lehmann, der glaubt, dass sich in der letzten Sekunde noch eine Diskussion lohnt, bekommt die Gelbe und so zieht die Karawane der Unglücklichen und Geschlagenen in die Kabine.
Zornig trage ich ein 2:1 für Kroatien in den EM-Planer, und bleibe schon aus Trotz vor dem Fernseher hocken.
Jetzt will ich wenigstens wissen, wer unsere Konkurrenz um Platz zwei in der Gruppe wird. Österreich oder Polen.
Die Polen sind etwas irritiert, weil sie schon wieder gegen Deutschland spielen müssen und suchen Podolski und Klose und so schaffen es die Österreicher zu Beginn, die polnische Abwehr gelegentlich unter Druck zu bringen. Als die Polen aber merken, dass es doch keine richtigen Deutschen sind, die da gegen sie anrennen, machen sie in der 30sten Minute geschwind ihr Tor und verkrümeln sich für den Rest des Spiels in die eigene Hälfte. Die Österreicher tun so, als würden sie anstürmen, kriegen aber nichts auf die Kette. In der Halbzeit bekommt der Unparteiische die Anweisung, wenigstens einen der Gastgeber zu retten und so lange spielen zu lassen, bis die Österreicher wenigstens den Ausgleich packen. Die Polen bekommen das aber nicht gesagt und geben sich deswegen auch keine Mühe, ein weiteres Tor zu schießen, um den Sack zuzumachen.
Und so läuft das Spiel heute 93 Minuten und weil die Ösis auch in dieser Zeit nix zusammenkriegen, bekommen sie dann einen Elfmeter ehrenhalber und verwandeln wenigstens den gegen die schwer schockierten Polskis.
Auf den „EM-Planner kommt ein lustloses 1:1 und ich verziehe mich ins Bett.
Weil ich genau weiß, dass es in England morgen nur grinsende Menschen geben wird.
Heute ist das Spiel, das wir alle so sehr fürchten. Unsere Jungs gegen die Englandtöter, gegen die Mannschaft, die uns 2004 aus dem Turnier geballert hat, gegen die Tret-Partisanen aus Kroatien. Die Stimmung ist natürlich gut, denn Jogis Löwen sind ja auf den Punkt trainiert und motiviert und haben ja auch Polen besiegt und Polonski und bla und außerdem.
Tja, was soll man sagen? Der Rasen war schlecht? Das Publikum mies? Die Kroaten waren foul wie immer? Oder kann es sein, dass wir uns so ein bisschen von den Siegen gegen „Fußballzwerge“, die es ja angeblich nicht mehr gibt – zumindest, wenn man selbst ein Zwerg ist – haben blenden lassen?
Die Deutschen starten wie die Feuerwehr, alleine, so richtig brennt es im kroatischen Strafraum deshalb noch lange nicht. Die Kroaten starten nämlich auch wie die Feuerwehr und nachdem man sich 24 Minuten so ein wenig beschnüffelt hat, rennt der Kroate Srna an dem verdutzten Jansen vorbei und die beste Mannschaft des Turniers, der Anwärter auf die Titelkrone und Polentöter liegt mit 1:0 hinten. Und geht verwundert in die Halbzeit.
Vielleicht liegt es daran, dass wir zu wenig „native Croats“ und zu viele Geburtspolen in der Mannschaft haben, ich weiß es nicht. Wer nämlich nun dachte, unsere Recken würden sich aufbäumen, die eklige „deutsche Tugend“ des „Gewinnens um jeden Preis“ auspacken und sich wie weiland ´45 gegen die drohende Niederlage stemmen – der sah sich getäuscht. Anscheinend glauben die Jungs um Ballack und Co., dass das schon irgendwie wird. Weiterhin werden Pässe vertändelt und in Zweikämpfe zu gehen, scheint neuerdings auch nicht mehr politisch korrekt zu sein. Vielleicht hats ja auch damit zu tun, dass man als Gruppenerster eventuell doch gegen die Türkei spielen müsste und Jogi hat die Losung „werrets Zweyter, oy Schpiel könnet mir de Kroate überlasche, aber wenn mir Erschter werret, dann brennt zuhausch die Luft geschsche die Türgei.“ Ich weiß es nicht.
Löw tauscht den glücklosen Jansen gegen Odonkor, den „Pfeilschnellen“ und verspricht sich davon wohl, dass Gomez auch mal einen Pass erhält, den er bedenkenlos annehmen kann. Es wäre vielleicht besser gewesen, Löw hätte die komplette Abwehr auf die Bank gesetzt, denn während Ballack ein- ums andere Mal vorne den Ball überallhin, nur nicht aufs kroatische Tor semmelt, machen die Kroaten, agiler und frecher als die verwirrten Sauerkrauts, ihr 2:0.
Was jetzt folgt, ist ungefähr mit der Reaktion vergleichbar, die seinerzeit auf Roman Herzogs „Ruck“-Rede folgte: keinen hat das interessiert. Löw reagiert, in dem er Gomez, diese Doppelnull, gegen den Podolski-Bediener Schweinsteiger austauscht, was er vielleicht schon vor dem Spiel oder eigentlich sogar schon vor der EM hätte tun sollen. Außerdem hat man ja noch 28 Minuten Zeit, jetzt schon drei Tore zu schießen. Das sind knapp alle 10 Minuten eines. Null Problemo für unsere „auf de Punkt genau“ trainierten Jungs.
Es ist ein Trauerspiel. Die komplette deutsche Mannschaft wackelt und zappelt über den Platz, als würde sie an den Fäden der „Augsburger Puppenkiste“ hängen, nichts klappt, nichts geht und im Frust haut Ballack statt den Ball ins Tor mal einen Kroaten um und sieht dafür die gelbe Karte. In der 79sten Minute fällt dann Podolski versehentlich in einen kroatischen Abpraller und macht „den Anschlusstreffer“, damit die Schande nicht ganz so hoch ausfällt. Gut, manchmal reichen ja auch 11 Minuten, um ein Spiel noch zu drehen, aber die zart aufkeimende Hoffnung, dass es wenigstens noch zum Ausgleich reichen könnte, wird schmählich enttäuscht, als Löw ausgerechnet die Wunderwaffe Kuranyi bringt, denn auch die erweist sich als fabulöser Rohrkrepierer. Und wo andere Mannschaften in der 91sten Minute noch das überraschende Tor schießen, fliegen unsere Jungs vom Platz. Schweinsteiger sieht rot, schubst einen Kroaten und sieht deswegen Rot, Lehmann, der glaubt, dass sich in der letzten Sekunde noch eine Diskussion lohnt, bekommt die Gelbe und so zieht die Karawane der Unglücklichen und Geschlagenen in die Kabine.
Zornig trage ich ein 2:1 für Kroatien in den EM-Planer, und bleibe schon aus Trotz vor dem Fernseher hocken.
Jetzt will ich wenigstens wissen, wer unsere Konkurrenz um Platz zwei in der Gruppe wird. Österreich oder Polen.
Die Polen sind etwas irritiert, weil sie schon wieder gegen Deutschland spielen müssen und suchen Podolski und Klose und so schaffen es die Österreicher zu Beginn, die polnische Abwehr gelegentlich unter Druck zu bringen. Als die Polen aber merken, dass es doch keine richtigen Deutschen sind, die da gegen sie anrennen, machen sie in der 30sten Minute geschwind ihr Tor und verkrümeln sich für den Rest des Spiels in die eigene Hälfte. Die Österreicher tun so, als würden sie anstürmen, kriegen aber nichts auf die Kette. In der Halbzeit bekommt der Unparteiische die Anweisung, wenigstens einen der Gastgeber zu retten und so lange spielen zu lassen, bis die Österreicher wenigstens den Ausgleich packen. Die Polen bekommen das aber nicht gesagt und geben sich deswegen auch keine Mühe, ein weiteres Tor zu schießen, um den Sack zuzumachen.
Und so läuft das Spiel heute 93 Minuten und weil die Ösis auch in dieser Zeit nix zusammenkriegen, bekommen sie dann einen Elfmeter ehrenhalber und verwandeln wenigstens den gegen die schwer schockierten Polskis.
Auf den „EM-Planner kommt ein lustloses 1:1 und ich verziehe mich ins Bett.
Weil ich genau weiß, dass es in England morgen nur grinsende Menschen geben wird.
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